Kaum im Amt, schon unter Beschuss: Der neue deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem ersten offiziellen Auslandsbesuch in Polen Gegenwind erhalten. Polens Premierminister Donald Tusk (68) übte Kritik an den von Deutschland eingeführten Grenzkontrollen mit unmittelbaren Zurückweisungen – eine Massnahme, die laut Tusk nicht mit Warschau abgestimmt gewesen sei, berichtet die Bild-Zeitung.
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«Ich will es nicht leugnen, dass es den Eindruck gibt, dass Deutschland nach Polen jetzt Migrantengruppen schickt – das werden wir nicht akzeptieren», sagte Tusk. Der Premier betonte, Polen habe erheblich in den Schutz der EU-Aussengrenzen investiert und erwarte nun Unterstützung – nicht neue Belastungen für Pendler und Wirtschaftsverkehr.
Merz bemühte sich um Deeskalation. Grenzkontrollen würden «in einer Art und Weise» durchgeführt, die für die Nachbarn «erträglich» sei, erklärte der Kanzler. Zudem verwies er auf ein vorab geführtes Telefonat mit Tusk, in dem die Massnahmen angeblich abgestimmt worden seien. Doch laut Informationen aus der polnischen Regierung hatte Tusk in diesem Gespräch bereits Bedenken geäussert – Merz habe jedoch beschwichtigt, es werde «keine Veränderung» geben.