Schrecklich, was am 1. Januar in Crans-Montana geschah. Das Feuer, das Menschenleben forderte und Familien zerstörte, hat die Schweiz tief erschüttert. Es ist selbstverständlich, dass die Opfer und Hinterbliebenen Unterstützung verdienen – menschlich, moralisch und finanziell. Niemand soll nach einer solchen Katastrophe allein gelassen werden. Doch so berechtigt das Mitgefühl ist, so notwendig ist auch die Frage, wer in einem föderalen Staat wie der Schweiz die Verantwortung trägt.
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Der Bundesrat will den Opfern nun einen einmaligen Solidaritätsbeitrag von 50.000 Franken ausrichten und ein dringliches Bundesgesetz verabschieden. Das mag auf den ersten Blick grosszügig und richtig erscheinen, doch es wirft grundsätzliche Fragen auf. Ist es wirklich Aufgabe des Bundes, bei jeder Tragödie Geld zu verteilen? Oder verwischt man damit die klaren Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen, die das Rückgrat unseres politischen Systems bilden?
Der Brand ereignete sich im Kanton Wallis – und damit liegt die primäre Verantwortung auch dort. Der Kanton verfügt über eigene Mittel, Instrumente der Opferhilfe und wird zudem über den nationalen Finanzausgleich grosszügig unterstützt. Wenn nun der Bund einspringt, sendet das ein gefährliches Signal: dass bei jeder Katastrophe, ob Lawine, Brand oder Unfall, automatisch der Bund zur Kasse gebeten wird. Das ist nicht nachhaltig und untergräbt die Eigenverantwortung der Kantone.
Solidarität darf nicht mit Zentralisierung verwechselt werden. Der Bund kann koordinieren, unterstützen, vermitteln – aber nicht jede Tragödie finanziell kompensieren. Sonst droht das Prinzip der Subsidiarität, das die Schweiz starkgemacht hat, schleichend zu erodieren.
Mitgefühl ja – aber mit Augenmass. Die Opfer von Crans-Montana verdienen Hilfe, doch der richtige Ort dafür ist das Wallis, nicht Bern.