Mit viel Elan wird der Wiederaufbau des Dorfes Blatten im Lötschental geplant. Der Ort wurde bekanntlich am 28. Mai 2025 durch einen Bergsturz komplett zerstört.
Gross war der Aufschrei, als nach der Katastrophe die Frage aufkam, ob man auf eine Wiederbesiedlung des Ortes besser verzichten solle. Das Thema ist inzwischen vom Tisch, spätestens in fünf Jahren soll ein neues Blatten entstehen.
© KANTONSPOLIZEI WALLIS /
Die Bemühungen im Lötschental, das verschüttete Dorf trotz allen Risiken als Lebensraum zu erhalten, steht allerdings in krassem Widerspruch zum Abbau von zentralen Infrastrukturen und Diensten in anderen Bergdörfern der Schweiz. Das führt letztlich dazu, dass mit der Zeit daraus Geisterdörfer werden.
Für lokale Schlagzeilen hat in letzten Tagen die Engadiner Gemeinde Sent gesorgt. In diesem Engadiner Dorf mit ungefähr 900 Einwohnern gehen die Leute auf die Strasse und wehren sich, dass die Bündner Kantonalbank (GKB) beschlossen hat, den einzigen Bancomaten im Ort per Mitte Juli 25 ausser Betrieb zu setzen und zuzumauern. Nun sammeln die Bürgerinnen und Bürger Unterschriften gegen diesen Entscheid. Ob es hilft, wird sich zeigen.
Ein anderes Beispiel: Die Schweizerische Post will abgelegene Haushalte nicht mehr täglich bedienen. Dabei sind diese Bergregionen bereits durch den Abbau des Poststellennetzes betroffen.
Keine Bank mehr, kein Geldautomat und keine Post, das Dorflädeli ist schon lange weg, die letzte Beiz seit der Corona-Pandemie geschlossen – und das alles mit dem Segen von Kantonen und Bund. Es ist gut und wichtig, dass Blatten wieder aufgebaut wird. Aber man sollte nicht vergessen, auch anderen Bergdörfern noch eine Zukunftsperspektive zu geben.