Wie unglaublich tragisch eine Opferbilanz von 40 Toten und über 100 Verletzten des Nachtclub-Brands von Crans-Montana ist, zeigt ein Vergleich mit der grössten Schweizer Brandkatastrophe seit dem Mittelalter: dem Brand von Glarus in einer Föhnnacht von 1861.
In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai jenes Jahres wütete damals ein wohl durch Brandstiftung gelegtes Feuer dermassen infernalisch, dass annähernd 600 Gebäude zerstört wurden. Zwei Drittel der Bauten des Fleckens Glarus fielen dem damaligen Grossbrand zum Opfer. Die Hälfte der Menschen verlor ihr Obdach. Zum Vergleich: In Crans-Montana stehen noch sämtliche Gebäude, es gibt gegen aussen kaum sichtbare Spuren der Katastrophe.
Wie aber stand es um die Menschenleben – wurden doch die Bewohner von Glarus genau wie die feiernden Jugendlichen von Crans-Montana in der Nacht, keineswegs am heiterhellen Tag vom Feuer und der rasanten Hitzeentwicklung überrascht?
Die Bilanz erstaunt: In der Brandnacht von Glarus anno 1861 kamen 8, höchstens 10 Personen ums Leben. Auch wenn spätere Opfer noch ihren Rauchverletzungen erlagen, ist diese Zahl angesichts der Zerstörungen erstaunlich bescheiden. Dies umso mehr, als 1861 die technischen Möglichkeiten der Brandvermeidung noch weit geringer waren als heute.
Der Grund mag neben den physikalisch-chemisch unterschiedlichen Brandvoraussetzungen auch darin liegen, dass wir uns von der Natur entfernt und solchen Ereignissen nicht mehr adäquat begegnen können. Dies zeigt schon die Tatsache, dass die jungen Clubbesucher in Crans-Montana die Gefahr völlig falsch einschätzten und die brennende Decke filmten. Das natürliche Fluchtverhalten scheint uns ein Stück weit abhandengekommen.
Ebenso die Vernunft. Niemals hätten die Glarner 1861 funkensprühende Vulkane in ihren Häusern abgebrannt. Und offensichtlich haben sich die allermeisten schon bei den ersten Anzeichen der Gefahr ins Freie und damit in Sicherheit gebracht.