Unter den historischen Vergleichen ist der Faschismusvergleich der einfältigste. Seinen Ursprung hat er in der marxistisch-leninistischen Theorie der -zwanziger Jahre, wonach der Faschismus das Endstadium der bürgerlichen Gesellschaft darstelle. Spätere Generationen, etwa die 68er, haben daraus messerscharf abgeleitet, dass im Grunde jeder bürgerliche Liberale oder Konservative ein Faschist ist – und entsprechend bekämpft werden muss. Die Faschismuskeule aus dem Sack zu holen, gehört daher zu den unredlichsten Methoden in der intellektuellen Auseinandersetzung. Dass ausgerechnet Daniel Kehlmann, also ein Autor, der bisher durch eine gewisse Besonnenheit und Umsicht aufgefallen ...