Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana fordert die italienische Staranwältin Annamaria Bernardini de Pace einen Entschädigungsfonds von mindestens 50 Milliarden Euro. Dies sagte sie im Interview mit der italienischen Zeitung Il Giornale.
Die Juristin wirft den Verantwortlichen vor, nicht nur fahrlässig gehandelt zu haben. Wer bei Brandschutz und Notausgängen spare, nehme den Tod von Menschen bewusst in Kauf. Dies könne juristisch als «Eventualvorsatz» gewertet werden. Besonders kritisierte sie die Sicherheitslage vor Ort. In einem überfüllten Lokal habe es offenbar nur einen Notausgang gegeben, der zudem abgeschlossen gewesen sei.
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«Den Morettis kann nicht nur Fahrlässigkeit angelastet werden; nein, sie tragen eine schwerere und tiefere Verantwortung – die eines Massakers», sagte Bernardini de Pace.
Die Anwältin sieht die Verantwortung nicht allein bei den Betreibern, sondern auch bei den Behörden. Gemeinde, Kanton und Bund hätten ihre Kontrollpflichten vernachlässigt. Zudem kritisierte sie das Vorgehen der Ermittler. Es habe zunächst keine Beschlagnahmungen gegeben, Festnahmen seien erst nach zehn Tagen erfolgt. In dieser Zeit hätten Beweise verändert oder Vermögenswerte verschoben werden können, warnte sie.
Die Schweiz habe sich international blamiert, sagte Bernardini de Pace, und könne Glaubwürdigkeit nur durch entschlossenes Handeln zurückgewinnen. Dazu gehöre aus ihrer Sicht die sofortige Einrichtung eines milliardenschweren Entschädigungsfonds für die Opfer und deren Angehörige.