China stoppt Einfuhren von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus den Vereinigten Staaten. Seit dem 6. Februar hat kein US-Tanker mehr chinesische Häfen erreicht, wie die Financial Times berichtet.
Auslöser für den Importstopp war die Einführung eines chinesischen Strafzolls von zunächst 15, später 49 Prozent auf US-LNG. Damit ist amerikanisches Gas für chinesische Abnehmer wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Ein geplanter zweiter Tanker aus Texas wurde kurzerhand nach Bangladesch umgeleitet, nachdem er den chinesischen Zoll nicht rechtzeitig passieren konnte.
ALEX PLAVEVSKI / KEYSTONE
Die Situation erinnert an die erste Amtszeit von Donald Trump, als es bereits zu einem über einjährigen Stopp der US-Gasexporte nach China kam. Damals wie heute dürfte der Rückgang langfristige Folgen haben, wie Energieexpertin Anne-Sophie Corbeau von der Columbia University warnt: «Ich glaube nicht, dass chinesische LNG-Importeure jemals wieder neue US-Lieferverträge abschliessen werden.»
Der Bruch erfolgt trotz bestehender langfristiger Verträge: Petro China und Sinopec haben insgesamt dreizehn Abkommen mit Laufzeiten bis 2049 unterzeichnet. Diese galten bisher als essenziell für den Ausbau milliardenschwerer LNG-Terminals in den USA und Mexiko. Doch angesichts steigender Inflation und verschärfter Zollbedingungen werden einige Verträge laut Brancheninsidern bereits nachverhandelt.
China verstärkt stattdessen seine Energiebeziehungen zu Russland. Laut Pekings Botschafter in Moskau reiht sich derzeit ein chinesischer Interessent an den nächsten, um Kontakte zu russischen Gaslieferanten zu knüpfen. Schon jetzt ist Russland hinter Australien und Katar drittgrösster LNG-Lieferant für China – Tendenz steigend. Parallel verhandeln beide Länder über den Bau der Pipeline «Power of Siberia 2».
Experten rechnen mit einer globalen Umverteilung der Handelsströme und einem möglichen Rückgang der LNG-Nachfrage in Asien um bis zu zehn Millionen Tonnen. Dies könnte laut der Beratungsfirma Energy Aspects zu sinkenden Gaspreisen in Europa führen.