Glaubt man Francesco Benini von CH Media, soll Ignazio Cassis an einem Anlass in Luzern wie der schottische Widerstandskämpfer William Wallace aufgetreten sein. «Anhänger» sollen den FDP-Bundesrat als «Braveheart» gefeiert haben, heisst es in der Überschrift. Die Quelle für diese berauschte Einschätzung: «ein Besucher».
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Das angeblich heroische Moment bestand darin, dass Cassis die Anwesenden, darunter Regierungsräte und Vertreter der Wirtschaft, angefeuert habe, sich in die Abstimmungsschlacht für die EU-Verträge zu stürzen. Man werde dann zwar von den Kritikern «massakriert», so der Aussenminister. «Aber ich bin immer noch da und stehe.»
Cassis selbst kann nichts dafür, dass seine Fans in ihm den neuen «Braveheart» sehen. Er weiss womöglich selbst, dass der Vergleich hinkt. So hatte «Braveheart» seine Krieger mehr oder weniger im Griff, während die Mitarbeiter im Aussendepartement (EDA) nach acht Jahren Cassis immer noch machen, was sie wollen.
«Braveheart» kämpfte gegen fremde Obrigkeiten, für die Freiheit. Held Cassis macht genau das Gegenteil, der Tessiner kämpft für die EU-Unterwerfung. Was braucht mehr Mut: sich bei Stirling den englischen Truppen in den Weg zu stellen oder in angeblichen Verhandlungen in Brüssel den EU-Funktionären die Schweiz feilzubieten?
Allein das Schwert von Wallace soll 163 Zentimeter lang gewesen sein, nur rund 8 Zentimeter kleiner als der FDP-Mann. Ob der EU-Bundesrat als Held oder Leichtgewicht in die Geschichte eingehen wird, bleibt abzuwarten. Dass sich die Bundesräte Cassis, Beat Jans (SP) und Martin Pfister (Mitte) bereits heute schon im Dauer-Abstimmungskampf befinden, obwohl die bundesrätliche Botschaft zu den EU-Verträgen noch nicht einmal publiziert wurde, wirkt verzweifelt. Schweizer Helden würden sich zumindest an Schweizer Gepflogenheiten halten.