Nach der Ermordung des konservativen US-Aktivisten Charlie Kirk geraten nicht nur die politischen Lager in den USA weiter aneinander – auch der Begriff Cancel-Culture bekommt eine neue Wendung, schreibt Soziologie-Professor Frank Furedi in einem Beitrag für die britische Zeitung The Daily Mail.
Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
Der prominente US-Komiker und Talkmaster Jimmy Kimmel wurde vorübergehend von seiner eigenen Late-Night-Show suspendiert, nachdem er abfällige Bemerkungen über Kirks Tod gemacht hatte. Die Entscheidung des Senders ABC, eine Tochtergesellschaft von Disney, erfolgt nach massiver öffentlicher Empörung und deutlichen Worten von US-Präsident Donald Trump: «Die Ratings-schwache Jimmy-Kimmel-Show ist abgesetzt. Gratulation an ABC für diesen Mut.»
In einem Monolog hatte Kimmel zunächst den Mord an Kirk bedauert, später aber dessen politische Anhänger angegriffen und dem mutmasslichen Täter Nähe zum Trump-Lager unterstellt. Zudem verspottete er Trumps öffentliche Reaktion auf den Mord mit den Worten: «Das ist nicht, wie ein Erwachsener den Tod eines Freundes betrauert. So trauert ein Vierjähriger um seinen Goldfisch.»
Der britisch-ungarische Soziologe Furedi warnt im Gastbeitrag vor einer neuen Dimension der politischen Intoleranz: «Es ist zutiefst beunruhigend, dass eine populäre TV-Persönlichkeit wegen ihrer Kritik an der Regierung zum Schweigen gebracht wird.» Furedi, selbst ein Kind des ungarischen Kommunismus, erkennt in der aktuellen Entwicklung Parallelen zur staatlichen Sprachkontrolle in totalitären Regimen: «Damals gab es zwei Sprachen – das, was man dachte, und das, was man sagen durfte.»
Besorgt zeigt sich der Direktor des Think-Tanks MCC Brussels auch über den wachsenden Eifer konservativer Kräfte, linke Methoden der sozialen Ächtung zu übernehmen: «Die Rechte hat begonnen, sich des mächtigen Werkzeugs der Cancel Culture zu bedienen», schreibt Furedi. So forderte der republikanische Senator Ted Cruz, dass ein Oxford-Student wegen einer geschmacklosen Textnachricht über Kirks Ermordung von der Universität ausgeschlossen wird.
Furedi appelliert an beide Seiten des politischen Spektrums: «Freiheit bedeutet, sagen zu dürfen, was man denkt – solange es nicht zur Gewalt aufruft. Alles andere ist faire Meinungsäusserung.» Und er warnt: Wenn selbst der politische Gegner nicht mehr als Mensch gesehen werde, «verlieren wir alles».