Die Bundeswehr plant, ihre digitale Infrastruktur künftig mit Hilfe von Google-Technologien zu modernisieren. Wie aus einer offiziellen Mitteilung der Bundeswehr vom Juni 2025 hervorgeht, soll in Zusammenarbeit mit Google Cloud ein «air-gapped Cloud-Stack» entstehen – ein abgeschottetes System, das vollständig vom öffentlichen Internet getrennt ist. Die Daten sollen hierbei in deutschen Rechenzentren verarbeitet werden, Updates erfolgen über Datenträger. Der Zugriff von aussen, auch durch Google selbst, ist laut Bundeswehr ausgeschlossen. Die Einführung der neuen Cloud ist für die kommenden zwei Jahre geplant.
Bundeswehr/Patrick Grüterich
Die Einbindung des US-Konzerns Google stösst in der Politik jedoch auf Vorbehalte. CDU-Aussenpolitiker Roderich Kiesewetter zeigte sich im Handelsblatt besorgt über mögliche sicherheitspolitische Abhängigkeiten. Gerade beim Ausbau militärischer Fähigkeiten, so Kiesewetter, solle man auf europäische oder nationale Lösungen setzen, «damit wir nicht geopolitisch erpressbar werden oder handlungsunfähig». Seiner Ansicht nach könnten die USA grundsätzlich in der Lage sein, digitale Systeme als Druckmittel einzusetzen – etwa im Fall eines politischen Kurswechsels unter Donald Trump.
Auch Konstantin von Notz (Grüne), Vizechef der Bundestagsfraktion, warnt vor zu grosser Abhängigkeit von US-Anbietern. Mit Blick auf die zweite Amtszeit von Donald Trump verweist er auf frühere Fälle, in denen US-Sanktionen zu Einschränkungen bei digitaler Infrastruktur führten.
Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hingegen sieht keine Sicherheitsbedenken. Die Daten blieben unter vollständiger Kontrolle der Bundeswehr, die Cloud unterliege nicht der US-Rechtsprechung. Der Betrieb finde ausschliesslich auf Bundeswehr-eigenen Systemen statt.
Die zentrale Frage bleibt, ob die Zusammenarbeit mit einem US-Konzern wie Google der Bundeswehr mehr digitale Sicherheit und Effizienz bringt – oder sie technologische Souveränität aufs Spiel setzt.