Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages hat gerade die Lieferung von Marschflugkörpern an die Ukraine gefordert – während in den USA Donald Trump weiter am Frieden arbeitet. Ein Sinnbild entsteht, das mehr sagt als tausend Worte. In einem Tweet auf der Plattform X schreibt der Grünen-Politiker Omid Nouripour:
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«Die Ukraine verliert Zeit, während Russland weiter bombt. Europa darf nicht länger abwarten, was Trump macht. Die europäischen Staaten müssen initiativer handeln. Wir sollten der Ukraine alles ermöglichen, was ihr bei der Wehrfähigkeit hilft. Dazu gehören auch Marschflugkörper.»
Die Aussagen dokumentieren eindringlich, was herauskommt, wenn Politiker die Sackgasse mit dem Holzweg verbinden. Es bleibt nur noch, immer wieder mit dem Kopf an die Wand zu rennen.
Seit beinahe vier Jahren die gleiche Laier aus dem Munde jener, die der Öffentlichkeit weismachen wollen, nur eine Politik der harten Hand werde zu einem raschen Frieden führen. Es ist bezeichnend, wie Nouripour lediglich davon spricht, dass die Ukraine «Zeit» verliere. Die Ukraine verliert aber keine Zeit – sie verliert Menschenleben. Und die «verliert» sie auch nicht, bei Lichte betrachtet, vielmehr dreht die Politik die Soldaten regelrecht in die Fleischwölfe der Front. Den komplexen Ursachen des Ukraine-Krieges begegnen die bekannten Hardliner der westlichen Russland-Politik mit primitiven, unterkomplexen «Lösungsvorschlägen». Mit einem Krieg, der unter dem Strich auch ein Stellvertreterkrieg zwischen der Atommacht Russland und der Nato ist, wird umgegangen, als handele es sich dabei um einen Schulhofstreit zwischen Max und Moritz.
Was würde wohl passieren, wenn Deutschland – trotz klarer Warnungen aus Russland – Taurus lieferte? Da die Eskalationsdominanz bei Russland liegt, muss von noch härteren Schlägen Russlands ausgegangen werden. Ganz zu schweigen von der Gefahr, dass Russland Deutschland als Kriegspartei betrachten könnte. Mit anderen Worten: Raketen für den Frieden? Sollte tatsächlich ein rascher Frieden das Ziel sein, dann wäre das mit Abstand die dümmste «Lösung».