Die Schweiz steht vor einer Kehrtwende im Umgang mit einem der umstrittensten US-Exportprodukte: gechlorte Hühner. In einem Vertragsentwurf zu einem neuen Handelsabkommen mit Washington hat der Bundesrat signalisiert, das Importverbot aufweichen zu wollen. Wörtlich heisst es, man wolle mit den USA «zusammenarbeiten, um spezifische Massnahmen anzugehen, die den Marktzugang für US-Geflügelfleisch einschränken».
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Wie die NZZ berichtet, ist das Chlorbad nach der Schlachtung in den USA Standard, um Keime wie Salmonellen abzutöten. In Europa hingegen ist die chemische Behandlung verboten – aus gesundheitlichen und ethischen Gründen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit betont, dass solche Importe derzeit nicht erlaubt sind.
Das geplante Zugeständnis sorgt für heftige Kritik. «Das war bisher tabu», sagt Adrian Waldvogel, Präsident der Schweizer Geflügelproduzenten. Auch Konsumentenschützerin und SP-Nationalrätin Nadine Masshardt warnt vor einem Rückschritt bei den Hygiene-Standards. Die Grünen sprechen von einem «inakzeptablen» Deal und einem Kniefall vor Ex-US-Präsident Trump, der die Zusage als symbolischen Sieg verbuchen könnte.
Noch ist unklar, ob die Chlorhühner tatsächlich auf Schweizer Tellern landen. Doch bereits jetzt ist klar: Das Thema hat das Potenzial, die innenpolitische Debatte über Freihandel und Lebensmittelsicherheit neu zu entfachen.