Sie stammen beide aus dem Berner Oberland, Bundesrat Albert Rösti aus Kandersteg, GLP-Nationalrat Jürg Grossen aus dem etwas tiefer liegenden Frutigen. Nun liefern sie sich via Zeitungen ein Fernduell über die Stromversorgung der Schweiz.
Für den Energieminister Rösti ist klar, ohne Kernkraftwerke geht es in Zukunft nicht. Ihm fehle der Glaube, «dass wir das Ausbauziel bei den Erneuerbaren erreichen», erklärte er der NZZ. Weiter gibt er zu bedenken, dass irgendwoher der Strom im Winter kommen müsse. «Bleiben die Erneuerbaren blockiert, haben wir drei Varianten: Importe, Gas oder Nuklear. Soll die Schweiz wirklich in den fossilen Energien bleiben oder abhängig werden vom Ausland? Kernkraft ist wohl die bessere Option», so Rösti.
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Diese Woche hat ihm sein Berner Oberländer Landsmann Jürg Grossen, der Präsident der Grünliberalen Partei, in den CH-Media-Zeitungen eine Antwort gegeben. Grossen im Wortlaut: «Atomkraftwerke passen nicht zum Schweizer Stromsystem der Zukunft, da sie immer gleich viel Strom liefern. Das Volk hat beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Acht Monate lang – von März bis Oktober – könnte man den Atomstrom gar nicht gebrauchen, weil wir da mehr als genug Solar- und Wasserstrom haben. Also müsste man die AKW abstellen, was sie noch viel unrentabler machen würde, als sie ohnehin schon sind», sagte er.
Und was sagt das Publikum? Laut einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts GfS finden Atomkraftwerke der nächsten Generation als Massnahme gegen Strommangellagen mit 53 Prozent mehrheitlich Zustimmung beim Publikum.
Das vorläufige Fazit: Angesichts des aktuellen Ausbaustandes erneuerbarer Energieträger und des erbitterten Widerstandes gegen alpine Solaranlagen und Windräder liegen Röstis Einschätzungen näher an der Wirklichkeit.