Seit 66 Jahren ein Magnet für Wassersportler – nun ist Schluss: Im Freibad von Rheda-Wiedenbrück (NRW) bleibt der Sprungturm gesperrt. Grund: Das Becken unter dem 3-Meter-Brett verfehlt die vorgeschriebene Eintauchtiefe der DIN-Norm 13451-10 um acht Zentimeter. Statt 3,70 Meter misst es lediglich 3,62 Meter. Die Stadt fürchtet, bei einem Unfall haftbar gemacht zu werden – und zieht Konsequenzen, berichtet die Bild-Zeitung.
Bürgermeister Theo Mettenborg (CDU) hält die Sperrung für überzogen. «Hier ist in all den Jahrzehnten noch nie jemand zu Schaden gekommen. Anhand der Testsprünge erstellen wir eine Gefährdungsanalyse, die das auch belegen wird», sagte er der Bild. Um die Sicherheit des Sprungturms zu belegen, inszenierte er am Wochenende eine spektakuläre Aktion: 300 Freiwillige vollführten insgesamt 1000 Sprünge, dokumentiert von Tauchern der DLRG und überwacht von einem Notar. Verletzt wurde niemand.
Das letzte Wort ist damit aber nicht gesprochen. Bis zur Auswertung der Daten bleibt der Turm gesperrt. Ob Umbau oder tiefere Beckenwanne – mögliche Nachrüstungen wären laut Experten teuer und könnten den Betrieb dauerhaft einschränken. Stefan Nitsche, Stützpunktleiter für Wasserspringen, kritisiert die Anwendung der DIN-Norm in diesem Kontext als «Unsinn»: In Wettkampfbecken würden andere Voraussetzungen herrschen, etwa durch höhere Sprunghöhen aufgrund elastischerer Bretter.
Die Abweichung von acht Zentimetern wurde von Christian Mankel, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, entdeckt. Er empfiehlt entweder den Austausch des Sprungbretts oder bauliche Anpassungen. Eine Entscheidung steht noch aus.