Wenn der Jury des Deutschen Buchpreises ein Missgriff unterläuft, kann man sicher sein: Die Jury des Schweizer Literaturpreises wiederholt ihn. So geschah es vor drei Jahren mit dem auf der Queer-Welle reitenden Kim de l’Horizon, der locker beide Preise einheimste.
So wie jetzt wieder Dorothee Elmiger. Ihr Roman über die Expedition einer Schriftstellerin in den Regenwald von Panama auf den Spuren zweier Touristinnen, die dort ums Leben kamen, wurde am Sonntag nach dem Deutschen auch mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.
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Wer sich durch «Die Holländerinnen» kämpft, muss einen Dschungel von 160 in indirekter Rede erzählten Seiten mit vielen Abschweifungen durchdringen. Dafür braucht es einen langen Atem und eine scharfe Machete. Aber wer weiss: Vielleicht wird man ja der Glückserfahrung teilhaftig, die die Jury ergriff: «Dorothee Elmiger macht Desorientierung körperlich erfahrbar – ein Gefühl, das für unsere Gegenwart steht.» Desorientierung – ein Gefühl, das möglicherweise auch die Jurorinnen erfasste.