Am Schluss stand eine Gegnerin auf der anderen Netzseite, die in jeder Beziehung eine Nuance besser war. Die Polin Iga Swiatek spielte im Halbfinal von Wimbledon überragend – und liess Belinda Bencic keine Chance. 2:6, 0:6 war das klare Verdikt.
Und trotzdem darf die 28-jährige Ostschweizerin die Church Road im Süden Londons hocherhobenen Hauptes verlassen. Sie hat in den vergangenen anderthalb Wochen ein kleines Tennismärchen geschrieben: Fünfzehn Monate nachdem sie Mutter der kleinen Bella geworden ist, spielt sie in Wimbledon ein wunderbares Turnier und schafft es als erst zweite Schweizerin (nach Martina Hingis) beim prestigeträchtigsten Turnier der Tenniswelt in die Runde der letzten vier.
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Damit lässt Bencic die Schweizer Fans wieder träumen. Nachdem Roger Federer seine Karriere beendet hat und sich Stan Wawrinka auf der Ehrenrunde befindet, erreicht Bencic ihr Topniveau in einem Moment, in dem es kaum jemand erwartet hätte.
Tennisspielerinnen, die als Mütter erfolgreich auf die Tour zurückkehren, sind noch immer eine Seltenheit. Denn diese Rolle stellt Spielerin und Umfeld vor eine grosse Herausforderung. Und anders als Roger Federer (Vater von vier Kindern) reist Bencic nicht mit einem Grossaufgebot an Nannys, Au-pair-Girls und Betreuern um die Welt. Ihre wichtigste Bezugsperson ist Martin Hromkovic, der Fitnesstrainer, Ehemann und Vater von Bella.
Der ehemalige slowakische Fussballer betreute während Wimbledon die gemeinsame Tochter und hielt damit seiner Gattin den Rücken frei. Und wenn Hromkovic zur Unterstützung am Court benötigt wurde, spielte Bella in der Kindertagesstätte des Turniers.
Diese Normalität und Hingabe begeistern und beeindrucken die Fans in Wimbledon. Und so gehört Belinda Bencic auch als Halbfinalverliererin zu den grossen Siegerinnen des Turniers. Oder mit anderen Worten: Bei Mami Bencic geht der Spass auf der Tennistour erst richtig los – auch danke Baby Bella.