Der Unternehmerverband Die Familienunternehmer hat seine bisherige Abgrenzung zur AfD aufgehoben. Bei einem Parlamentarischen Abend Anfang Oktober war erstmals ein AfD-Vertreter eingeladen – ein Bruch mit der bisherigen Linie des Lobbyverbands, der rund 6500 Unternehmerfamilien aus Deutschland vertritt. Präsidentin Marie-Christine Ostermann erklärte gegenüber dem Handelsblatt: «Das Kontaktverbot ist damit aufgehoben.»
GEORG WENDT / KEYSTONE
Zugleich betonte sie, man wolle die AfD nun politisch stellen, statt sich in «Kategorien gut oder böse» zu verlieren. Die Partei sei inhaltlich oft «blank oder widersprüchlich». Eine Koalition mit der AfD schliesse man dennoch aus. Ostermann ergänzte, dass es in mehreren Landesverbänden ohnehin «diese Art der Brandmauer noch nie gegeben» habe.
Auch Hauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen kündigte laut einem Bericht von The Pioneer an, sich von der bisherigen Strategie zu verabschieden: «Das Konzept, die AfD von allem auszuschliessen, ist gescheitert. Wir verabschieden uns von den Brandmauern.»
Nicht alle Wirtschaftsverbände ziehen mit. Die Stiftung Familienunternehmen hält laut dem Handelsblatt an ihrem Kurs fest: Vertreter von AfD oder Linken seien weiterhin unerwünscht, da deren Wertebasis «nicht zu der von Familienunternehmen passt», so Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer. Er sieht in der Programmatik der AfD eine Gefährdung für das Unternehmertum.
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hingegen verweist auf die Wahlergebnisse der AfD – sie zeigten, dass die Strategie der Ausgrenzung «nicht erfolgreich funktioniert hat», so Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus. Man wolle nun eine eigene Position erarbeiten.