In Brandenburg eskaliert der Konflikt um den streng geschützten Biber. Wegen überfluteter Felder, unterhöhter Deiche und blockierter Entwässerungsgräben fordern Landwirte eine Lockerung des Schutzstatus – und bringen eine alte Idee zurück auf den Tisch: Biber als Delikatesse. «Es ist ein attraktives Nahrungsmittel mit hochwertigem Fleisch», sagte Bauernpräsident Henrik Wendorff der Welt. Schon im Mittelalter galt der schwimmstarke Nager als «Fisch» und wurde während der Fastenzeit serviert.
© KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Aktuell verbietet das Bundesnaturschutzgesetz, den Biber zu töten oder zu verwerten – Ausnahmen sind nur mit Genehmigung erlaubt, etwa wenn Deiche oder Flughäfen gefährdet sind. In solchen Fällen darf das Fleisch privat genutzt werden, auf offiziellen Speisekarten hat der Biber aber keinen Platz. Das könnte sich bald ändern: Die Biberverordnung in Brandenburg läuft 2026 aus, SPD und BSW wollen ein Bestandsmanagement einführen.
Der NABU lehnt die Pläne entschieden ab. Der Biber sei ein «wichtiger natürlicher Verbündeter» im Kampf gegen sinkende Grundwasserspiegel, sagte Landeschef Björn Ellner. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz warnt vor vorschnellen Eingriffen. Die Landesregierung verweist darauf, dass die Verbandsbeteiligung zur neuen Verordnung noch nicht begonnen habe.
Rund 4000 Tiere leben inzwischen allein in Brandenburg. Laut Bauernverband verursacht der Biber dort jährliche Schäden in Millionenhöhe. Für viele Landwirte ist klar: Der einst fast ausgestorbene Nager braucht keinen Artenschutz mehr – sondern Regulierung. Und vielleicht bald wieder einen Platz auf dem Teller.