Bereits am letzten Freitag kündete Flávio Bolsonaro (42) an, dass ihn sein inhaftierter Vater Jair bei einem Gefängnisbesuch zu seinem Nachfolger designiert habe. Am Montag traf er sich zu einer Aussprache mit Vertretern der fünf wichtigsten Mitte-rechts-Parteien von Brasilien.
Theoretisch ist noch vieles möglich. In der Vorwoche war ein Streit um die Wahlkampfstrategie zwischen Flávio Bolsonaro und seiner Stiefmutter Michelle, die angeblich einen Sitz im Senat anstreben soll, an die Öffentlichkeit gedrungen.
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Michelle Bolsonaro gilt als Schlüsselfigur mit engen Beziehung zu evangelikalen Kreisen, einem gewichtigen Wählersegment in Brasilien.
Der Republikaner Tarcísio de Freitas, Gouverneur von São Paulo, ein enger Vertrauter von Jair Bolsonaro, der indes nicht seinem Partido Liberal angehört, galt bislang als der aussichtsreichste Kandidat. De Freitas hat allerdings bereits angekündigt, dass er nicht gegen Bolsonaro antreten werde. Wichtigstes Ziel sei es, eine Wiederwahl des Sozialisten Lula zu verhindern.
Vieles weist aber darauf hin, dass es bei den Wahlen im Oktober 2026 auf ein Rennen zwischen Flávio Bolsonaro und dem amtierenden Lula da Silva (80) hinausläuft, der seine Kandidatur bereits offiziell angekündigt hat. Flávio, der älteste von Bolsonaros drei Söhnen aus erster Ehe, ist wie sein Vater ein Berufspolitiker, der seine Partei mehrmals wechselte. 2003 wurde er als Vertreter von Rio de Janeiro im Alter von 22 Jahre erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt, 2019 in den Senat.
Flávio Bolsonaro sieht seinem Vater nicht nur sehr ähnlich, er redet auch wie dieser und vertritt dieselben Werte: liberal in wirtschaftlichen, konservativ in sozialen Fragen. Sein Auftritt auf Instagram (6,5 Millionen Follower) und auf X (3,5 Millionen Follower) weist darauf hin, dass er die Freilassung der «politischen Gefangenen» (neben seinem Vater schmachten Hunderte von seinen Anhängern wegen angeblicher Putschpläne im Gefängnis) und die «Wiederherstellung der Demokratie in Brasilien» ins Zentrum seiner Kampagne stellen wird.