Ich habe vor etwa einem halben Jahr ein Konto angelegt, um Kryptowährungen kaufen zu können. Bitcoin und Co. also. Und um es vorwegzunehmen: Es war seither keinen Tag im Plus.
Es war bisher die schlechteste Geldanlage meines Lebens, bis auf den gebrauchten Jaguar, der zugegebenermassen billig war, den ich aber nach einem halben Jahr mit kapitalem Motorschaden verschrotten musste. Zwischendurch hatte ich ein paar wohlige Überlandfahrten – sozusagen als emotionale Rendite.
Das hatte ich bei meinem Kryptokonto bisher nicht. Auch heute, wo der Bitcoin ein neues Allzeithoch erreicht und damit kurstechnisches Neuland betritt, ist mein Konto noch im Minus, weil ich noch andere Krypto-Währungen gekauft habe, die gerade weniger performen.
Der Anstieg des Bitcoin-Kurses sei darauf zurückzuführen, dass die USA mit ihrer Finanzpolitik die eigene Bonität so beschädigt hätten, dass selbst Staatsanleihen eine wacklige Geschichte geworden seien, erklären mir heute die Analysten. Deswegen stiegen unabhängige Anlageklassen wie Gold und eben Bitcoin. Wieso das aber in den letzten Monaten nur für Gold und eben nicht für Bitcoin gegolten hat, erklären sie nicht.
Ich glaube daher eher, dass es Grossinvestoren wie Michael Saylor sind, der eigentlich Astronaut werden wollte, die den Kurs bewegen. Saylor kaufte am Wochenende Bitcoin für 765 Millionen Dollar und besitzt jetzt ein Konto, auf dem Coins im Wert von unvorstellbaren 59 Milliarden Dollar liegen. Die Krypto-Währung, die keine Zentralbank kennt, die sie steuert, hat stattdessen Zocker wie Saylor, die das erledigen.
Ich beschwere mich nicht darüber. Ich bin ja einer von ihnen. Wenn auch nur ein winzig, winzig kleiner. Es könnte allerdings sein, dass ich jetzt, wo es annähernd wieder läuft, doch mein Konto auflöse und mir wieder einen Jaguar kaufe. Der emotionalen Rendite wegen.