Awards und Preise werden in der Schweiz jahrein, jahraus nach dem Salzstreuer-Prinzip verteilt. Frei nach dem Motto: Wer hat noch nicht? Wer will nochmals? Komiker, Fussballer, Skifahrer, Eishockeytrainer, Gastronomen, Unternehmer, Autofahrer, Modelsternchen.
Am Mittwoch waren die hiesigen Musikschaffenden an der Reihe. In vierzehn Kategorien erhielten die (angeblich) Besten, Populärsten und Erfolgreichsten im Zürcher Hallenstadion Betonklötze überreicht – wobei die Ästhetik der Trophäe bei gewissen Künstlern auch die Glaubwürdigkeit spiegelt.
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Zum Beispiel bei Nemo Mettler. Der Bieler Barde, der vor Jahresfrist mit dem Tanz auf einem Kreisel der Musikwelt den Kopf verdreht hatte, seither aber kaum einen graden Ton mehr über die Lippen brachte, räumte im Hallenstadion gross ab. Er (oder es) wurde als bester Solo-Act geehrt und erhielt ebenfalls den Preis in der Kategorie bester Hit.
Kaum chartverdächtig war Nemos Dankesrede. Er widmete die Preise allen queeren Personen, rief die Menschheit auf, den «Code» zu knacken und allen Andersdenkenden Toleranz entgegenzubringen.
Das Publikum geriet in Ektase – und applaudierte euphorisch. Dabei war es derselbe Künstler gewesen, der einige Tage zuvor seine eigenen Ansprüche mit Füssen getreten hatte. Nemo machte sich in Basel für den Ausschluss von Israel am Eurovision Song Contest stark – und bewies damit vor allem etwas: Seine eigene Toleranz reicht nicht einmal bis zum Rande des Scheinwerferlichts.