Nach dem folgenschweren Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin, bei dem zeitweise bis zu 200'000 Menschen ohne Strom, Heizung und Internet ausharren mussten, bleibt die politische Reaktion auffallend verhalten. Trotz massiver Auswirkungen auf das öffentliche Leben läuft bislang weder eine bundesweite Fahndung noch gibt es eine Belohnung für Hinweise oder gar Verbotsforderungen gegen linksextreme Strukturen, die hinter der Tat vermutet werden.
FILIP SINGER / KEYSTONE
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Sprecher Alan Bauer erklärte der Bild-Zeitung: «Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen.» In der Nähe des Tatorts hat die Polizei Plakate mit Zeugenaufrufen angebracht, konkrete Hinweise auf die Täter fehlen bislang.
Indessen kursieren auf der linksextremen Plattform Indymedia bereits Bekennerschreiben. Der Angriff auf das Gaskraftwerk wird darin als «Akt der Notwehr» und als «internationale Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen» bezeichnet. Für Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) ist das ein untragbarer Zustand. Er fordert ein Verbot der Plattform und warnt: «Die linke Szene nutzt die Plattform Indymedia, um zu Gewalttaten aufzurufen und ihre Gewaltakte zu verherrlichen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Gewalt gegen den Staat legitimiert wird. Der Rechtsstaat muss an dieser Stelle hart durchgreifen».
Bereits 2017 war der Ableger «linksunten.indymedia» verboten worden, doch Poseck geht das nicht weit genug. Er verweist auf eine Reihe von Anschlägen in den vergangenen Jahren, etwa auf die Tesla-Gigafactory 2024 oder Transportfahrzeuge in Hessen 2025, die seiner Ansicht nach Teil einer zunehmenden linksextremen Radikalisierung seien.
Die Hauptstadtregierung unter Kai Wegner (CDU) gerät derweil unter Druck. Während der Krise blieb der Regierende Bürgermeister laut Bild zunächst abgetaucht – er soll währenddessen Tennis gespielt haben. Politische Konsequenzen gegen die mutmasslichen Täter blieben bislang aus.