Nach meiner Einschätzung des Bergsturzes von Blatten befragt, sehe ich das Unglück nicht zuletzt als früherer Regiments-Kommandant der Rettungstruppen. Diese helfen mit, die Folgen solcher Naturkatastrophen zu bewältigen. Die Berge bewegen sich, wie schon frühere denkwürdige Bergstürze, etwa 1806 in Goldau oder 1881 in Elm, gezeigt haben.
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Die Gemeindebehörden von Blatten – im Milizsystem im Nebenamt tätig – haben tadellos reagiert und alles richtig gemacht. Das gilt für die engen Kontakte mit den beobachtenden Fachleuten, die korrekte Risikobeurteilung, den Evakuierungsentscheid und die besonnene Reaktion nach dem Ereignis. Für die Evakuierten im Lötschental ist leider der schlimmste Fall passiert, sie werden nie mehr in ihre früheren Häuser zurückkehren können.
Ein solches Unglück braucht Nerven. Die Verantwortlichen müssen beobachten, die Lage einschätzen, nicht gleich überstürzt handeln. Wir erleben in Blatten die Vorteile des sogenannten Subsidiaritätsprinzips: Was auf unterer Stufe gelöst werden kann, soll man nicht oben lösen. Denn die Unteren stehen näher bei der Sache und können sie besser beurteilen. Die Chance, dass die Unteren das Richtige tun, ist grösser.
Dies ist die gegenteilige Denkweise von dem, was heute in der Politik gilt: Je globaler, je grösser und je weiter entfernt, desto besser sollen angeblich die Probleme gelöst werden. Das Gegenteil ist wahr, auch wenn die Politiker lieber das Grosse, Entfernte haben. Sei es beim Anbindungsvertrag mit der EU, der die Probleme der Schweiz nach Ansicht der Classe politique besser löst als wir Schweizer. Oder sei es bei der Weltgesundheitsorganisation, die angeblich besser auf unsere Gesundheit achtgibt als wir selber. Nein – bleiben wir an der Wirklichkeit von Blatten und bei der bewährten Schweizer Tradition.