Israels Regierung lud in der vergangenen zu einer Konferenz über Antisemitismus ein. Dass sie auch Parteien nach Jerusalem bat, die von einigen als «weit rechts stehend» eingestuft werden, kam bei vielen schlecht an. Viele sagten ihre Teilnahme deshalb ab, darunter auch solche, die sich sonst als Kämpfer gegen den Judenhass profilieren. Doch Benjamin Netanjahu liess sich vom Boykott nicht einschüchtern. Er sucht nach neuen Verbündeten im Kampf gegen den islamischen Antisemitismus – auch wenn seine aussenpolitische Agenda im Gegensatz zu derjenigen der jüdischen Diaspora ist. Seite 22
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Donald Trumps Sohn kam mit MAGA-Kappen. Grönland antwortete mit der grössten Demonstration seiner Geschichte. Reporter Daniel Ryser und Fotograf Caspar Martig reisen in ein Land ohne Strassen, aber voller Widersprüche: eine postkoloniale Gesellschaft im akuten Ausnahmezustand. Zwischen Schneestürmen, Schamanentänzen und Schrotflinten treffen sie auf Menschen, die sich gegen eine neue amerikanische Einflussnahme wehren – und auf einen Trump-Fan mit Nazi-Adler im Wohnzimmer. Eine Recherche aus Nuuk, wo die Geister der dänischen Kolonialgeschichte auf die geopolitischen Interessen der Gegenwart treffen – und eine arktische Insel zwischen Selbstbestimmung, Spiritualität und Supermächten um ihre Zukunft ringt. Die Bürgermeisterin von Nuuk sagt: «Diese Unabhängigkeit wird kommen. Das ist so klar, wie ein Teenager irgendwann das Elternhaus verlässt.» Aber was, wenn das Elternhaus plötzlich Amerika heisst? Seite 24
Man kennt ihn als unersättlichen Frauenverführer, aber der leidenschaftliche Venezianer Giacomo Casanova (1725–1798) war viel mehr. In der «Geschichte meines Lebens», die er mit sechzig in der Einsamkeit eines böhmischen Schlosses niederschrieb, hat er sich als hellsichtiger Beobachter seiner Zeit erwiesen. Dank seiner Reise- und Kontaktfreudigkeit hatte er die geistige und politische Elite Europas ebenso kennengelernt wie die soziale Unterschicht in den Ländern, die er besuchte. Und sein Frauenbild war übrigens durchaus aufklärerisch: «Eine Schöne ohne aufgeschlossenen Geist hat schliesslich, nach dem sinnlichen Genuss ihrer Reize, einem Liebhaber nichts mehr zu bieten.» Seite 38
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