Der britische Rundfunksender BBC verliert zunehmend das Vertrauen der Bevölkerung – und damit bares Geld. Wie der Ausschuss für öffentliche Finanzen des britischen Parlaments in einem aktuellen Bericht schreibt, umgeht inzwischen mehr als jeder achte Haushalt (12,5 Prozent) die verpflichtende Rundfunkgebühr. Das entspricht einem Ausfall von rund 550 Millionen Pfund jährlich. Weitere 617 Millionen Pfund gehen verloren, weil 3,6 Millionen Haushalte angeben, keine BBC-Inhalte mehr zu nutzen, berichtet die Bild-Zeitung.
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Besonders junge Briten wenden sich in Scharen von der BBC ab. Streaming-Plattformen wie YouTube oder TikTok gelten als Hauptkonkurrenz. Trotz knapp zwei Millionen Hausbesuchen zur Kontrolle der Gebührenpflicht sank die Zahl der Strafverfahren zuletzt um 17 Prozent. Viele Bürger verweigerten schlicht die Türöffnung.
Der konservative Abgeordnete Geoffrey Clifton-Brown, Vorsitzender des zuständigen Ausschusses, kritisiert das Modell scharf: «Das traditionelle System mit Hausbesuchen bringt immer weniger, während die Konkurrenz um Zuschauer und Inhalte wächst. Ohne einen modernen Ansatz, der stärker auf Online-Nutzung setzt, verliert die BBC das Vertrauen in das Gebührenmodell.»
Auch die Führung der BBC steht unter Druck. Generaldirektor Tim Davie trat nach einem umstrittenen Beitrag über Donald Trump zurück. Der frühere US-Präsident droht dem Sender nun mit einer Klage über eine Milliarde Dollar.
Während Kritiker seit Jahren die Abschaffung der Gebühr fordern, verteidigt die BBC sie als Garantie für ein Programm «für alle». Doch die politische Unterstützung bröckelt – und die Gebührenflucht gefährdet die Finanzierung des britischen Mediengiganten nachhaltig.