Ein Interview des Verkehrspräsidenten des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), Gerhard Hillebrand, sorgt für einen Sturm der Entrüstung unter den Mitgliedern. In der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärte der 60-Jährige, dass der ADAC die CO2-Bepreisung für ein «richtiges Instrument» halte, um Klimaziele zu erreichen. Die Reaktion: eine Welle öffentlicher Austritte, dokumentiert in den sozialen Medien.
SEBASTIAN KAHNERT / KEYSTONE
«Die Leute brauchen den Anreiz, auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen», sagte Hillebrand.
Für viele der rund 22 Millionen Mitglieder ein Affront. Die allermeisten von ihnen fahren noch Verbrennerfahrzeuge – laut Statistik rund 90 Prozent, ähnlich dem Bundesdurchschnitt. Zahlreiche Mitglieder veröffentlichten nach dem Interview ihre Kündigungsschreiben. «Wenn man es als Automobilklub gut findet, dass Autofahren teurer wird durch höhere CO2-Steuer, habe ich in diesem Klub nichts mehr verloren», schrieb ein Nutzer. Ein anderer erklärte: «Der ADAC vertritt meine Interessen als Fahrer eines 29 Jahre alten Benziners überhaupt nicht mehr.»
Bereits 2018 hatte der ADAC mit einer Werbekampagne Irritationen ausgelöst, in der er sich selbst nicht mehr als klassischer Autoklub und «nicht deutsch» bezeichnete.
Der ADAC sagt, man sei falsch verstanden worden. Dass die EU die Einführung eines CO2-Preises auf Sprit um ein Jahr verschoben hat, hält Hillebrand für «absolut in Ordnung», um soziale Härten abzufedern.