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Aufklären statt Angst machen: Klimaaktivisten wie die «Letzte Generation» oder «Extinction Rebellion» verfallen in Endzeitstimmung. Wir brauchen aber nicht noch mehr Pessimismus, sondern wieder den Optimismus der Aufklärung

Die postchristliche Gesellschaft ist nicht weniger religiös geworden, sondern kennt Ersatzreligionen, zum Beispiel den Glauben an Erlösung durch Gesundheit. Oder den Glauben an Selbstverwirklichung durch Selbstoptimierung. Der Klimaaktivismus hat ebenfalls religiöse Züge, wenn Protestgruppen in Endzeitstimmung verfallen und Politiker diese Stimmung für ihre Zwecke nutzen. Medien machen mit und präsentieren dem Publikum Umweltapostel, die für die Rettung der Welt Kunstwerke zerstören, sich auf Strassen festkleben und die Menschheit zur Umkehr bewegen wollen, zur Abkehr vom konsumistischen westlichen Lebensstil.

IMAGO/ZUMA Wire
London, van Gogh Gem‰lde aus Protest mit Tomatensuppe ¸bersch¸ttet October 14, 2022, London, England, United Kingdom: protesters glued themselves to Museum wall and then threw tomato soup at Vincent Van Gogh s famous iconic 1888-9 art work Sunflowers at the National Gallery on Friday
IMAGO/ZUMA Wire

Ein zentrales Dogma vieler Aktivisten lautet: «Seit der Industrialisierung zerstört der Mensch das Klima, deswegen müssen Regierungen, Konzerne und Bürger zum grünen Handeln gezwungen werden.» Der Protest richtet sich gegen das westliche System, obwohl dieses im Vergleich mit dem Rest der Welt nicht nur die besten Umweltstandards hat, sondern auch in Sachen Menschenrechte und Tierschutz besser abschneidet.

Klimaaktivisten wie die «Letzte Generation» oder «Extinction Rebellion» halten den Klimawandel für eine Erbsünde des Kapitalismus. Daraus resultiert die Forderung nach dem Systemwechsel, nach dem Ende freiheitlicher Lebensmodelle. Nun ist unbestritten, dass der Mensch den Klimawandel beeinflusst, so wie wir die Natur seit vielen Jahren schlecht behandeln. Es hilft aber nicht weiter, wenn Aktivisten China, Indien oder Russland vergessen und den Kapitalismus anklagen.

Planet ohne Menschen?

Es hilft auch nicht, wenn man die non-human perspective einnimmt. Das heisst: wenn man die Auswirkungen der Menschheit auf die Umwelt nach dem utopischen Ideal einer Umwelt ohne Menschen und Maschinen beurteilt. Wenn man also nicht fragt: Wie viele Jobs, wie viel Gesundheit und Schutz gegen Kälte und Sturm bringen geheizte Häuser in Entwicklungsländern? Wie viele Millionen von Leben werden gerettet, wie viel Grundversorgung und Sicherheit geleistet durch die Energiewirtschaft seit der industriellen Revolution? Wie gross ist der medizinische Fortschritt seit Beginn der Chemieindustrie?

Das alles scheint nicht zu interessieren, wenn man nur fragt: Wie wäre es, wenn all diese Techniken und Umweltbelastungen nicht wären? Letztlich: Können wir nicht so leben, als wären wir gar nicht da, damit der Planet seine Ruhe hat? Man will Zumutungen realmenschlicher Zivilisation ganz eliminieren.

Ich fliege selten. Ich besitze kein Auto und pendle seit zwanzig Jahren mit dem Zug. Ich betrachte mit Sorge unsere verkehrsverstopften Metropolen. Am liebsten hätte ich überall Fussgängerzonen und betrachte unsere Wegwerfkultur als zivilisatorisches Armutszeugnis. In diesen Fragen bin ich ein Grüner. Aber ich kann den religiösen Eifer nicht nachvollziehen, mit dem politische Gruppen die Klimadiskussion dominieren, um Andersdenkende als Klimaleugner oder schlechte Menschen zu diffamieren. Das verhindert eine offene Debatte, die wir brauchen, um gute Lösungen zu finden.

Die Sorge um die Umwelt sowie die Entwicklung des Weltklimas sind zu wichtig, um sie totalitären Apokalyptikern und Angstmachern zu überlassen. Gerade heute brauchen wir nicht noch mehr Pessimismus, sondern wieder den Optimismus der Aufklärung. Die Aufklärer haben an den Menschen geglaubt, an die Kraft seines Verstandes und seiner Fähigkeit, herauszutreten aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Sie haben an Freiheit und Kreativität geglaubt, wichtige kulturelle Kräfte, um auch grosse Probleme zu lösen.

Giuseppe Gracia ist Schriftsteller und Kommunikationsberater. Sein neuer Roman «Schwarzer Winter» (Fontis-Verlag, 2023) handelt von terroristischen Klimaaktivisten.

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