Unverschämter geht es nicht mehr. Die Luzerner Nationalrätin Priska Wismer-Felder (Die Mitte), ist landesweit bekannt dafür, dass sie in einem Naherholungsgebiet der Gemeinde Rickenbach, auf dem beliebten Hausberg, dem Stierenberg, den Bau eines Windkraftparks «durchstieren» will – obwohl die Mehrheit dieser Kommune sich mehrfach dagegen aussprach. Ausgerechnet sie, die Windkraftaktivistin mit privatem Projekt, fühlt sich jetzt aber ermächtigt und wohl auch berufen, namens ihrer Partei Bundesrat Albert Rösti zu kritisieren, weil er das Neuverbot für Kernkraftwerke aufheben will «AKW passen nicht mehr in unsere Zeit und das erneuerbare Energiesystem», sagte sie in einem Interview mit CH-Media-Zeitungen. Sie glaube nicht, dass Rösti für seinen Gegenvorschlag eine Mehrheit im Nationalrat finde.
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Ob die Atomkraft in der Schweiz ein Comeback feiert, wird sich zeigen. Darüber muss zuerst das Parlament beraten. Was man jedoch heute mit Sicherheit sagen kann, ist, dass die Schweiz auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen ist. Wir brauchen nicht dann bloss Strom, wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst. Und vor allem werden wir durch den Verzicht auf Öl und Gas auch immer mehr elektrische Energie brauchen. Wenn man also auf Gaskraftwerke aus klimapolitischen Erwägungen verzichten will, braucht es halt irgendwann neue Atomkraftwerke. Wir sollten uns also diese Option auf jeden Fall offenhalten. Selbst die EU, die von Wismer und ihrer Mittepartei fast angebetet wird, hat schon vor einiger Zeit Strom aus Kernkraftwerken als nachhaltige Energiequelle klassifiziert.
Ganz sicher ist die Luzerner Politikerin jedoch die falsche Person, um die Notwendigkeit neuer Kernkraftwerke zu beurteilen. Als Promotorin einer privaten Windkraftanlage ist sie bei der AKW-Debatte etwa so glaubwürdig wie eine Veganerin als Sprecherin des Metzgerverbandes