Javier Milei hat einen unerwarteten und beeindruckenden Wahlsieg bei den Parlamentswahlen in Argentinien errungen. Seine Partei La Libertad Avanza erhielt mit knapp 41 Prozent der Stimmen mit grossem Abstand das beste Ergebnis. Die kirchneristische Partei Fuerza Patria kam hingegen nur auf etwa 24,5 Prozent.
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Nach der schmerzlichen Niederlage bei den Provinzwahlen in der Schlüsselprovinz Buenos Aires kam dieser Sieg überraschend. Doch gerade diese Niederlage trug entscheidend zu Mileis Erfolg bei. Denn nach dem Sieg der Kirchneristen war die Risikoprämie auf argentinische Staatsanleihen deutlich gestiegen, die Börse brach ein, und der Peso geriet unter Druck. Die beherzte Unterstützung der USA, die Kreditzusagen für das überschuldete Land gaben, verhinderte Schlimmeres und stabilisierte die Lage.
Die Argentinier sahen, was ihnen drohte, sollte der Kirchnerismus zurück an die Macht gelangen und das Reformwerk Mileis zerstören. Das Land wäre erneut in Abwertung, Staatsbankrott, Misswirtschaft und Inflation versunken. Folgerichtig lautete das Wahlkampfmotto von Mileis Bewegung: «La libertad avanza o Argentina retrocede» – Die Freiheit schreitet voran, oder Argentinien fällt zurück.
Vor die Wahl gestellt, den harten Reformkurs fortzusetzen oder auf halbem Weg zum rettenden Ufer in die Arme des Kirchnerismus zurückzukehren, entschieden sich die Argentinier klar für Milei – und für die Ideen der Freiheit.
Die Erfolge seiner Regierung liegen auf der Hand: Eine Hyperinflation wurde verhindert. Die monatliche Inflationsrate sank von 25,5 Prozent im Dezember 2023 – dem Monat seines Amtsantritts – auf rund 2 Prozent. Der Staatshaushalt weist erstmals seit Jahren einen Überschuss auf, die Rezession ist beendet, und die Wirtschaft wächst wieder. Die Armutsquote fiel von über 50 Prozent auf knapp 30 Prozent.
Die Furcht vor einer Rückkehr des Kirchnerismus nach den Provinzwahlen erwies sich als Mobilisierungsschub für Milei. Auch die deutliche Unterstützung aus Washington spielte eine zentrale Rolle. Noch nie zuvor hat Argentinien eine derart unmissverständliche und umfassende Rückendeckung durch die Weltmacht Nummer eins erhalten. Donald Trump machte jedoch klar, dass diese Unterstützung nur gelte, wenn Milei seinen Reformkurs unbeirrt fortsetze. Den Kirchneristen Geld zu leihen – jenen, die sich teils offen weigern, Staatsschulden zurückzuzahlen – wäre sinnlos.
So entschieden sich die Argentinier, den Reformkurs an der Wahlurne zu verteidigen – und die Freiheit weiter voranschreiten zu lassen.
Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaftslehre in Madrid und Autor des Bestsellers «Die Ära Milei – Argentiniens neuer Weg».