Die ARD will mit einem aktuellen «Faktenfinder»-Artikel den Vorwurf entkräften, Freibäder seien zu Orten erhöhter Kriminalität geworden. «Stimmungsmache mit der Angst» nennt die Redaktion Berichte über Ausschreitungen und sexuelle Übergriffe, berichtet das Portal Apollo News. «Das Thema Freibäder», schreibt die «Tagesschau», «wird regelmässig von rechtspopulistischen Kreisen als vermeintliches Beispiel für ein erhöhtes Kriminalitätsaufkommen in Deutschland angeführt.» Tatsächlich ist die Zahl der erfassten Straftaten in Freibädern 2024 in mehreren Bundesländern rückläufig – doch Experten warnen vor voreiligen Schlüssen.
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Laut ARD-«Tagesschau» sind die Deliktzahlen 2024 etwa in Berlin, Bremen oder Sachsen gesunken, während sie in Hamburg oder Hessen leicht angestiegen sind. Grundlage der Analyse ist eine Umfrage unter den Landesinnenministerien. Die Aussagekraft bleibt jedoch begrenzt: Nicht alle Bundesländer erfassen den Tatort «Freibad» gesondert, zudem flossen nur gemeldete Fälle in die Statistik ein.
Ein anderer Trend sticht hervor: Die Zahl der Sexualdelikte steigt. Das bayerische Landeskriminalamt registrierte einen Zuwachs von 171 Fällen 2022 auf 227 im vergangenen Jahr 2024. In Hamburg kletterte die Zahl der Gesamtstraftaten von 185 auf 224. Das Bundeskriminalamt meldet für 2024, dass zwei Drittel der Tatverdächtigen bei sexuellen Belästigungen in Freibädern keine deutsche Staatsbürgerschaft hatten. Afghanen und Syrer stellen dabei die grössten Gruppen. Zum Vergleich: Der Anteil von Syrern an der Gesamtbevölkerung beträgt nur 1,1 Prozent.
Die ARD beruft sich auf eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, wonach 85 Prozent der teilnehmenden Freibäder auch 2024 als «sicher» galten. Doch nur 268 von rund 3000 Bädern nahmen teil, ein Viertel äusserte sich gar nicht zur Sicherheitslage. Die «Tagesschau» verweist zudem auf den Kölner Kriminologen Frank Neubacher, der das Thema als Sommerloch-Thema einstuft.