Friedrich Merz (CDU) brennen leicht mal die Sicherungen durch. Als er im Frühjahr 2023 einen Gastbeitrag von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) als Frontalangriff auf seine Person deutete, musste ihm der Vertraute derb den Kopf waschen, damit der Sauerländer nicht sauertöpfisch die Brocken hinwarf, wie es mir Teilnehmer der Krisengespräche berichten.
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Im nahen Umfeld erstaunt es deshalb auch niemanden, dass Merz neben FDP-Kodderschnauze Marie-Agnes Strack-Zimmermann und den Grünen-Spitzenleuten Baerbock und Habeck zu den eifrigsten Anzeigenstellern gegen unziemliche Anfeindungen und Pöbeleien im Netz gegen seine Person gehört.
Schon vor Amtsantritt erklärte Merz auf einer Klausur des CDU-Vorstands in Hamburg, dass man im Verein mit der EU-Kommission härter gegen Hass und Hetze vorgehen müsse. Dass diese Strategie genau jene Frustrierten aus dem AfD-Umfeld nicht wieder zur Union und zu guten Manieren zurückholt, dürfte dem heutigen Kanzler in seiner Empörung über die Bezeichnung als «Suffkopf» oder «kleiner Nazi» kaum klarzumachen sein, wie es überhaupt eine schräge Idee ist, das aufgeladene gesellschaftliche Klima mit Hilfe von Staatsanwaltschaften befrieden und die Menschen im Land zu massvoller Sprache erziehen zu wollen.
Selbst nach Amtsantritt des Kanzlers wurde mehr als 170 Mal mit bösen Bürgern seitens der Behörden Kontakt aufgenommen. Vorgängerin Angela Merkel (CDU) sparte sich solches Regenten-Gehabe gänzlich, zeigt es doch einerseits unsouverän blank liegende Nerven und ruft andererseits noch klammheimlich feixende Freude in der Öffentlichkeit hervor, die von vielen Beschimpfungen sonst gar nichts erfahren hätte.
Merz hat zudem in vielen Milieus und im Netz kaum ein eigenes Sensorium für Sprache und Schwingungen und lässt deshalb amtlich dreinholzen wie ein verknöcherter Familienvater, zu dem man «Doofmann» gesagt hat. Da auch auf diesem Gebiet kaum noch jemand beratenden Zugang zum Kanzler hat, dürfte sich so bald daran wohl auch nichts ändern.