Ein Berliner Amtsrichter hat in zwei aufsehenerregenden Fällen klare Worte gefunden – und harte Urteile gesprochen. Sahin Sezer, Vorsitzender Richter am Amtsgericht Tiergarten, verurteilte den 24-jährigen Mustafa A. wegen gefährlicher Körperverletzung an einem israelischen Kommilitonen zu drei Jahren Haft. Das Motiv: Antisemitismus.
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Der Täter hatte Lahav Shapira mit Fäusten niedergeschlagen und ins Gesicht getreten, nachdem dieser sich zur Unterstützung Israels bekannt hatte. Das Opfer erlitt eine Mittelgesichtsfraktur und eine Hirnblutung. «Antisemitismus», sagt Richter Sezer laut der Bild-Zeitung, «ist nicht von Meinungsfreiheit gedeckt.» Antisemitische Gesinnung lege die Axt an unsere Werteordnung. «Das können wir in Deutschland nicht brauchen.» Das Urteil übertraf den Antrag der Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre und vier Monate gefordert hatte.
Auch gegenüber dem Täter fand der Richter deutliche Worte: «Sie hätten Lehrer werden können. Sie haben sich Ihr Leben versaut. Sie hätten so viel Gutes tun können als Lehrer. Aber Sie konnten sich nicht von den Konflikten Ihrer Vorfahren lösen. Sie stehen noch in zwanzig Jahren vorm Spiegel und sagen: Da hätte mehr sein können.»
Anfang März hatte Sezer einen jungen Polizisten verurteilt, der Festgenommene mit Backpfeifen geschlagen und ihnen Wasser verweigert hatte. Das Gericht sah darin versuchte Aussage-Erpressung und Körperverletzung im Amt. Das Urteil lautete neun Monate Haft auf Bewährung. «Sie verhielten sich wie ein Gangster in Uniform. Das können wir in Deutschland nicht brauchen. Mit Ihrer Polizeikarriere ist es damit vorbei», so Sezer.