Die Zeichen waren zuletzt nicht ideal. Massenproteste gegen ICE. Möglicher Krieg gegen den Iran ohne klare Ziele. Chaos bei den Zöllen. Jetzt erwartete man den Befreiungsschlag. Zumindest eine Rede, die Schub verleiht.
Die Bilanz, die Trump in seiner Rede zur Lage der Nation zog, lieferte genau das: ein Gefühl, dass die Nation «zurück» ist. Dass man «wieder gewinnt».
Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Der Präsident zählte seine Erfolge auf, die im turbulenten Alltag und in Medien, die stets auf das Negative fokussieren, rasch vergessen gehen.
Die sichere Grenze. Der massive Rückgang an Drogen, die ins Land kommen, von der «Massenvernichtungswaffe» Fentanyl, die Millionen Amerikaner getötet hat. Militärische Erfolge, wie die Entfernung von Venezuelas Diktator Maduro. Acht «Friedensschlüsse» auf internationaler Bühne.
Doch ist es letztlich ein Faktor, der über Trump und künftige Wahlen mehr entscheidet als alles andere: Das Portemonnaie.
Umfragen zeigen, dass die Wähler mit der Wirtschaft unzufrieden sind. Berater drängen Trump, sich mehr um das Wohl seiner Landsleute als um internationale Politik zu kümmern.
«Die Wirtschaft brummt wie nie zuvor», erklärte der Präsident. Er zeichnete ein rosiges Bild von sinkenden Kosten für wichtige Güter wie Eier, Rindfleisch und Benzin, obwohl die Preise insgesamt nicht gefallen sind, wie das Wall Street Journal kritisiert.
Trump tat das, was man nur tut, wenn man selbst wenig vorzuweisen hat. Man zeigt mit dem Finger auf den Gegner.
Trump machte die Demokraten dafür verantwortlich, dass sie die hohen Lebenshaltungskosten zu einem Thema gemacht hätten. «Eure Politik hat zu hohen Preisen geführt; unsere Politik wird ihnen schnell ein Ende bereiten.» Er erhielt Applaus im Stehen aus seinen Reihen. Bei Wählern wird dieses Argument wenig nützen.
Im obersten Gericht hatte Trump jüngst eine herbe Niederlage erlitten. Die Zölle wurden für nichtig erklärt. In der Rede zeigte er sich unbeeindruckt. Zölle würden «das Land retten», weil «wir dadurch Geld einnehmen». Er nannte den Gerichtsentscheid «sehr unglücklich» und kündigte an, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumarschieren.
Das bleibende Eindruck der Rede ist Trumps Talent, positive Stimmung zu verbreiten. Er zeigte wieder einmal, dass er der Meister des weave ist. In seine Ansprache webte er Geschichten und Personen ein, die er im Saal aufleben und feiern liess.
Von der Eishockey-Nationalmannschaft, die in einer epischen Partie gegen Kanada Olympiagold erkämpft hat. Über einen Nationalgardisten, der in Washington, D. C., mirakulös einen Kopfschuss durch einen Attentäter überlebt hat. Bis zum hundertjährigen Kriegsveteranen, den er unter tosendem Applaus würdigte.
Damit schloss er die Reihen – zumindest in seiner Partei – für den Kampf um die Zwischenwahlen. Doch bis dahin dauert es noch neun Monate.