In wenigen Tagen wird die Regierung Trump zumindest die ersten Eckwerte für das Budget 2026 bekanntgeben. Dann werden die Investoren den finanzpolitischen Kurs der USA neu beurteilen können. Sie werden das Trump-Budget mit den bisherigen Finanzplänen der Regierung Biden vergleichen. Die noch von der alten Regierung erarbeiteten Budgets 2025 und 2026 gingen von Defiziten in Höhe von 1781 Milliarden Dollar für 2025 und 1547 Milliarden für 2026 aus.
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Bereits heute ist zu befürchten, dass die Zinslast wegen der hartnäckig hoch gebliebenen Langfristzinsen voraussichtlich noch ansteigen wird. Der jährliche Zinsaufwand macht schon heute mit 13,9 Prozent einen substanziellen Anteil an den für 2025 budgetierten Staatsausgaben von 6952 Milliarden aus. Zum Vergleich: mit diesen Ausgaben würde der US-Staat, für sich allein betrachtet, hinter den USA und China als drittgrösste Volkswirtschaft der Welt rangieren. Deshalb spielt es auch für den Rest der Welt eine wichtige Rolle, welche Budgetpolitik uns ab dem 1. Oktober 2025, wenn das neue Fiskaljahr startet, erwartet.
Die Einnahmen decken derzeit nur rund 66 Prozent der Ausgaben. Um die Defizite einzudämmen, sind schmerzhafte Massnahmen notwendig: entweder höhere Steuern oder Einsparungen im Staatshaushalt. Die bis heute durch das Doge-Effizienzprogramm georteten Sparmöglichkeiten belaufen sich zwar bereits auf 160 Milliarden, reichen aber bei weitem nicht aus. Neue Zolleinnahmen, mit einem Tarif von 10 Prozent gerechnet, würden 330 Milliarden einspielen, aber diese Einnahmen sind rein theoretischer Natur, denn erstens finden derzeit Verhandlungen mit vielen Ländern darüber statt und zweitens werden solche Zollbarrieren zu weniger Importen führen. Am meisten, 200 bis 400 Milliarden, würde eine Reduktion der Zinslast bringen. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Präsident Trump den Druck auf die Notenbank erhöht hat, damit diese den Leitzins weiter senkt.
Das bisherige Kalenderjahr ist noch jung, aber es zeichnet sich eine wichtige Entwicklung ab, die es weiterhin zu beobachten gilt. Seit Ende 2024 sind die Staatsschulden nicht weitergewachsen, sondern sogar um 4 Milliarden gesunken. Das ist zwar nur ein Tropfen in das Schuldenmeer von aktuell rund 36.700 Milliarden, aber schon eine Stabilisierung der Schulden wäre für den Kapitalmarkt eine Entlastung. Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn sich dieser Trend fortsetzen würde. Wenn sich die US-Staatsschulden tatsächlich stabilisieren sollten, könnte dies zu einer Festigung des US-Dollars führen. Da das nominelle BIP weiter ansteigt, würde die Verschuldungsquote (Staatsschulden in Prozenten des BIP) sinken. Die hohe Staatsverschuldung ist bekanntlich einer der Hauptgründe für die Dauerschwäche des Dollars.
Nach wie vor spielen die ausländischen Käufer von US-Staatsanleihen eine wichtige Rolle. Ende Februar erreichten die im Ausland gehaltenen US-Staatspapiere mit über 8800 Milliarden einen neuen Höchststand. Das sind immerhin fast 31 Prozent der staatlichen Publikumsschulden oder 24 Prozent der gesamten US-Staatsschulden. Deshalb sind die unlängst von einigen Medien kolportierten Ideen der US-Regierung, Staatsanleihen, die im Ausland gehalten werden, mit einer Sonderabgabe zu belasten, deren Laufzeiten auf hundert Jahre zu verlängern und gleichzeitig den Zinssatz zu reduzieren, ein Spiel mit dem Feuer.
Käme es zu Panikverkäufen aus dem Ausland, müsste wohl die amerikanische Federal Reserve einschreiten, um die Wogen zu glätten. Falls andere US-Anleger zugreifen, fehlt dieses Geld für Investitionen in die Realwirtschaft. Es käme zu einem Zinsanstieg, der die Wirtschaft ausbremsen und für den Staat zu höheren Finanzierungskosten führen würde, was der Regierung Trump alles andere als gelegen käme.
China ist zwar zusammen mit Hongkong nicht mehr der grösste ausländische Investor in US-Staatsanleihen, aber selbst wenn das Land seine 784 Milliarden Anleihen schlagartig abstossen würde, könnte es zu einer Panik kommen, auch wenn es sich «lediglich» um 3,7 Prozent der Publikumstitel handelt. China baut seit Jahren seine Bestände an solchen Papieren ab. Seit dem Höchststand Ende 2013 hat China bereits 40 Prozent seiner Titel von einst 1317 Milliarden abgestossen.
Auch die Schweiz, vor allem die SNB, gehört mit 291 Milliarden zu den zehn grössten Gläubigern der USA. Sie riskiert damit nicht nur, von allfälligen Strafaktionen der Regierung Trump betroffen zu werden. Sie muss auch mit heftigen Währungsverlusten rechnen, denn die Dollar-Anleihen und US-Aktien im Portfolio werden währungsmässig nicht abgesichert. Es soll dann niemand behaupten, man hätte es nicht vorhersehen können!