Angesichts der anhaltenden Krise um Grönland und einer instabilen Weltordnung hat die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen Europa vor einem sicherheitspolitischen Überlebenskampf gewarnt. In einem Interview mit der Financial Times erklärte Frederiksen, dass die «alte Welt nicht zurückkehren wird» und Europa eine «Notstands-Mentalität» in Fragen der Abschreckung und Verteidigung entwickeln müsse. «Ein Europa, das nicht fähig und willens ist, sich selbst zu schützen, wird irgendwann sterben», so die Regierungschefin am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.
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Der Konflikt entzündete sich an der Drohung von US-Präsident Donald Trump, die Kontrolle über die dänische Insel Grönland zu übernehmen, was das transatlantische Bündnis in eine schwere Krise stürzte. Zwar rückte Trump nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte von der Forderung nach einer vollständigen Eroberung ab, doch für Frederiksen ist die Angelegenheit keineswegs erledigt. Derzeit lotet eine Arbeitsgruppe eine Neugestaltung des Verteidigungsvertrags von 1951 aus, wobei Frederiksen betont, dass Dänemarks «rote Linien» bei der Souveränität unantastbar bleiben.
Die Grönland-Krise hat in europäischen Hauptstädten die Bemühungen beschleunigt, die militärische Abhängigkeit von den USA zu verringern. Dänemark selbst plant, seine Verteidigungsausgaben in diesem Jahr auf 3,5 Prozent des BIP zu steigern.
Frederiksen, die als überzeugte Atlantikerin gilt, rät dem restlichen Europa nun dazu, entstehende Lücken in der Sicherheitsarchitektur eigenständig zu füllen, falls sich die USA weiter von ihren Garantien distanzieren. Sie lobte die internationale Geschlossenheit gegenüber Trumps Drohungen als wichtiges Signal für den Respekt vor staatlicher Souveränität.