Die Tatsache, dass ich immer noch auf Männer stehe, ist der Beweis, dass Sexualität nichts ist, was man sich aussucht.
Das sind harte Worte, aber ich meine es genau so, wie ich es sage. Im Gegensatz zu vielen anderen glaube ich nämlich nicht, dass die demografische Krise des Westens ihre Ursprünge zuvorderst in fehlenden finanziellen Möglichkeiten, Hedonismus und Egoismus sowie schlechter Betreuung und einem sich durch die Migration zunehmend verändernden Umfeld zu tun hat. Die Menschen haben immer Kinder bekommen. Egal, wie widrig die äußeren Umstände waren.
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Nein, eine andere wesentliche Ursache liegt im veränderten Verhältnis zwischen Frau und Mann. Insbesondere bei jenen Frauen, die ein paar Gehirnzellen mehr haben. Und nein, ich würde nicht sagen, dass die Ansprüche der Frauen ins Utopische gestiegen sind. Sie fallen nur nicht mehr so gering wie früher aus, weil es heute eben nicht mehr um den Mann als finanziellen Versorger geht.
Das heisst nicht, dass wir uns nicht nach anderen Dingen sehnen, die allesamt kein Geld kosten. Im Prinzip müsste man also sagen, dass es sogar einfacher für Männer geworden, aber das ist es nicht. Denn jetzt, wo es tatsächlich einmal nur noch auf Charakter, Standing und vielleicht ein halbwegs gepflegtes, gutes Äusseres ankommt, versagen viele von ihnen kläglich. Vor allem, wenn man die Vorstellung hat, das ein Bisschen von allem vorhanden sein sollte.
Tja, und das führt dann leider dazu, dass wir Frauen aufhören, euch Männer zu mögen. So einfach ist das. Weil wir uns weiterentwickelt haben und viele von euch nicht. Weil ihr uns Energie kostet, statt welche zu geben. Weil wir heute eure Hand durch all eure Lebens- und Identitätskrisen führen und nicht umgekehrt. Weil wir Väter hatten, die noch tolle Männer waren und uns allmählich fragen, wo genau das verloren gegangen ist.
Dabei wollen wir vor allem eines: Sicherheit. Und ich rede wie gesagt nicht von Geld. Wir wollen Männer, die führen können, ohne ins Machohafte zu verfallen. Männer mit Meinung und mit Werten. Männer, die loyal sind und ehrlich. Aber all das ist irgendwie zwischen Tinder und Instagram und den Tausenden Möglichkeiten, sich eine Frau zu suchen, die sich für weniger hergibt, verlorengegangen.
Jeder Mann in meinem Leben hat mich bis dato mehr Kraft gekostet, als er mir gegeben hat. Und genau deshalb will ich nicht mehr, weil ich ab sofort das bisschen Kraft, was ich noch habe, gerne für mich hätte. Weil ich es satt habe, fragile Männeregos gesund zu pflegen und zum Dank dafür betrogen zu werden.
Und ja, wenn ich die Wahl hätte, wäre ich längst lesbisch. Das mag wie eine Beleidigung klingen. Aber vielleicht ist es auch einmal die Chance für viele, sich zu fragen, woher der weibliche Frust kommt.