Keine Lernkurve. Bis heute hat der deutsche Mainstream nicht begriffen, dass er mit seinem XXL-Frontalangriff auf die AfD genau das nicht bewirkt, was er bewirken will. Statt die Wähler zur angeblich «richtigen» Seite zu treiben, landen sie erst recht in den Armen der von ihnen geschmähten Voldemort-Partei.
RTL
Genau so ist es nun auch im TV-Dschungel gelaufen. In der 19. Staffel der RTL-Show «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» war ein Kandidat allen anderen Mitcampern ein massiver Dorn im Auge: Gil Ofarim. Ja, das ist der Musiker, der 2021 durch den sogenannten Davidstern-Skandal in die Schlagzeilen geraten war. Er galt daher als Persona non grata – und schaffte es trotzdem oder gerade deswegen auf den ersten Platz und ist damit der amtierende «Dschungelkönig».
Jedes Kakerlakenbad wäre den Teilnehmern lieber gewesen, als nur eine Sekunde gemeinsame Luft mit Gil atmen zu müssen. Bloss keine Kontaktschuld auf sich laden, ihn lieber meiden. Regelrecht zur Furie wurde Ariel, Reality-Diva aus Basel. Tag für Tag schütte sie verbale Gülle über Ofarim aus. Er sei ein Verbrecher, er müsse weg, ob er sich nicht schäme, sie wolle nichts mit ihm zu tun haben. Damit demonstrierte sie die typische Cancel-Attitüde, die man aus linksgrünen Kreisen kennt.
Doch Ariels erbarmungslose Attacken dürften erst recht dazu beigetragen haben, dass Gil sich den Thron sicherte. Anders gesagt: Ebenso wie die AfD profitierte Ofarim von dem aus der Psychologie bekannten Underdog-Effekt, auf den auch Romanschreiber und Filmemacher setzen. Der Underdog, also der Aussenseiter, weckt Empathie und Sympathie beim Publikum. Man will unbedingt seinen Sieg, gerade weil es so aussichtslos erscheint, dass er ihn erreicht.
Die Mitcamper waren allesamt überzeugt, dass Gil ob seiner unrühmlichen Vorgeschichte schnell ausscheidet. Ihr Credo: Den wählt doch keiner. Doch die Zuschauer, die mit ihren Anrufen entscheiden, wie lange jemand im Dschungel bleibt, waren bereits beim ersten Voting deutlich an Ofarims Seite. Er ergatterte rund 45 Prozent, Ariel landete mit 15 Prozent auf Platz zwei, also deutlich dahinter.
Kandidatin Simone Ballack, ebenfalls felsenfest überzeugt von einem raschen Aus von Ofarim, wurde von Mal zu Mal fassungsloser. «Es irritiert mich», sagte sie immer wieder über seinen Verbleib in der Show. Und: «Ich kann es nicht nachvollziehen.»
Statements wie diese kommen einem bekannt vor. Panikphrasen von Altparteien über den Aufstieg der AfD, die doch eigentlich längst weg sein sollte.
Die Verweigerung der Realität von Friedrich Merz und Konsorten ist also auch beim Boulevard angekommen. Der einzige Unterschied: Im Dschungel stehen bisweilen Stierhoden auf dem Speiseplan.