Die Freiheit wohnt wieder im Heizungskeller. Zumindest wenn man der Einigung der Koalition in Berlin glauben will. Nach politischem Theater und einem Grad an Verunsicherung, der bald selbst solide Gasthermen nervös gemacht hätte, hat sich die Regierung nun auf eine Reform des sogenannten Heizungsgesetzes verständigt. Das klingt nach technischer Feinjustierung, ist politisch aber die fällige Kapitulation vor der Wirklichkeit.
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Die zentralen Beschlüsse: mehr Technologieoffenheit, längere Übergangsfristen, gezielte Förderung und vor allem: deutlich weniger Zwang. Wer nicht weiss, ob irgendwann ein Wärmenetz kommt, muss nicht mehr prophylaktisch seine funktionierende Anlage entsorgen. Eigentümer dürfen wieder warten, nachdenken, rechnen – also genau das tun, was man früher «vernünftiges Handeln» nannte und was vermutlich die nachhaltigste Energiequelle in Deutschland ist.
Die Regierung verkauft das als pragmatische Korrektur. Tatsächlich ist es das Eingeständnis, dass Politik nicht gegen Physik, Ökonomie und Alltag regieren kann. Wärmepumpen sind sinnvoll, aber nicht überall. Förderprogramme sind hilfreich, aber kein Ersatz für Vertrauen. Und Bürger reagieren auf Drohungen etwa so allergisch wie ein Kühlschrank auf eine Dampfheizung.
Bemerkenswert ist weniger der Inhalt als die Richtung: Weg von moralischem Druck, hin zu Zumutbarkeit. Das hätten die Regierenden auch vor zwei Jahren wissen können. Stattdessen musste erst ein Gesetz entstehen, das Millionen Menschen das Gefühl gab, sie lebten in einem energetischen Umerziehungslager.
Nun also Entwarnung. Die Freiheit kehrt zurück. Sie riecht ein wenig nach Heizöl, ein wenig nach Bürokratie und sehr stark nach politischem Realismus. Der Staat schreibt nicht mehr jede Schraube vor, sondern setzt Leitplanken und hofft, dass die Bürger den Rest selbst erledigen. Eine fast revolutionäre Idee in Deutschland.