Die AfD erwägt, bei der Bundespräsidentenwahl 2027 erneut einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Parteichefin Alice Weidel bestätigte entsprechende Überlegungen gegenüber Medien.
Weidel erklärte: «Die Alternative für Deutschland tritt grundsätzlich dafür ein, den Bundespräsidenten direkt durch das Volk wählen zu lassen. Da eine Mehrheit für eine entsprechende Grundgesetzänderung derzeit nicht absehbar ist, werden wir uns sicherlich wieder Gedanken über einen geeigneten Kandidaten machen». Dieser solle «das Land zusammenführen, statt es zu spalten».
Markus Lenhardt/DPA/Keystone
Hintergrund ist laut Welt die erwartete stärkere Präsenz der Partei in der Bundesversammlung, die 2027 das neue Staatsoberhaupt bestimmt. Nach Berechnungen der Plattform Wahlrecht.de könnte die AfD rund 258 der insgesamt 1260 Wahlleute stellen. Damit würde sie deutlich mehr Stimmen auf sich vereinen als bei der Wahl 2022, als die Partei 151 Vertreter entsandte. In der künftigen Bundesversammlung könnte die AfD damit erstmals sogar die SPD als zweitstärkste Kraft überholen.
Die CDU/CSU käme laut der Hochrechnung auf etwa 435 Wahlleute. Für die SPD werden rund 252 bis 253 Sitze erwartet, die Grünen könnten etwa 193 Vertreter stellen, die Linke ungefähr 78. Die Bundesversammlung setzt sich aus allen Bundestagsabgeordneten sowie derselben Zahl von Delegierten der Länder zusammen und tritt ausschliesslich zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen.
Die Wahl ist für den 30. Januar 2027 im Bundestag vorgesehen und wird von der Bundestagspräsidentin geleitet. Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Bei den vergangenen Wahlen stellte die AfD bereits eigene Bewerber: 2017 trat Albrecht Glaser an, 2022 der Ökonom Max Otte, der 140 Stimmen erhielt.