Meine persönlichen Erinnerungen an Fredi Heer reichen in die 1990er Jahre zurück. Der berüchtigte Zürcher Kreis «Cheib», in dem er aufgewachsen und nun unterwegs mit nur 63 Jahren gestorben ist, blieb seine Heimat, auch wenn er längst weggezogen war.
Dort, bei «Vasco» oder in der «Accademia del Gusto», kannte er jeden, und jeder kannte ihn. Ohne einen Spruch einzufangen, kam niemand an ihm vorbei. Auch Freunde und Kollegen waren nicht gefeit vor seinen blitzartig ausgeführten rhetorischen Haken. Wenn er es für nötig befand, legte er sich auch mit einem Christoph Blocher an.
© KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Direkt, kantig, ohne Berührungsängste, so trat er auf. Auf seine Herkunft aus dem Problemviertel war er ebenso stolz wie auf seinen politischen Aufstieg. Die Rolex am Handgelenk trug er so selbstverständlich wie den kahlen Schädel. In den Spelunken des Halbmilieus war er ebenso zu Hause wie auf dem internationalen Parkett des Europarats. Dabei blieb er immer auf dem Boden. «In der Politik musst du demütig sein. Leider sind im Moment Politiker im Trend, die keinen Wert ausser sich selbst kennen», sagte er in einem fairen Porträt der linken Republik.
Heer war der Typus «Strassenkämpfer», auf friedliche Art. Er kämpfte lieber mit Argumenten als mit Fäusten. Unter seiner rauen Hülle arbeitete ein brillantes Hirn, er war belesen, beherrschte mehrere Sprachen, wobei Italienisch vergleichsweise die einfachste und Hebräisch die schwierigste war. Noch kurz vor seinem Tod kanzelte er in der Weltwoche die «verlogenen EU-Sanktionen gegen Israel» ab.
Gleichzeitig hatte er, dem Journalisten gedankenlos das dumme Etikett «Hardliner» anhängten, erstaunlich weiche Seiten. Nach dem dritten Glas konnte er von seinem Mitgefühl für Flüchtlinge erzählen oder gar davon, wie er einigen von ihnen geholfen hatte. Zum Spass nannten wir ihn einen «Linken». Und er lachte.