Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Aktien im freien Fall: Trumps Strafzölle sorgen für einen deutlichen Einbruch an der Schweizer Börse

Bis zur Eröffnung des Schweizer Aktienmarktes am 7. April 2024 hat der SMI seit seinem jüngsten Höchststand vom 3. März 2025 rund 17 Prozent an Wert eingebüsst. Damit wurden nicht nur die diesjährigen, sondern auch die letztjährigen Kursgewinne ausgelöscht. Der Auslöser dafür ist klar: die amerikanischen Strafzölle, im Falle der Schweiz von bis zu 32 Prozent. Dass sich viele Aktien im freien Fall befinden, hat auch mit der Finanzmarktregulierung zu tun. Früher haben viele Banken Massenverkäufe mit ihren eigenen Handelsportefeuilles aufgefangen. Heute ist dies wegen der hohen Eigenmittelunterlegung und Risikovorschriften nicht mehr der Fall, weshalb sich Panikverkäufe voll in sinkenden Kursen niederschlagen.

© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER
Ein Mann betrachtet aktuelle Boersenkurse die an einer LED-Wand im Eingangsbereich der Neuen Boerse Zuerich-West des SIX-Hauptsitzes an der Pfingstweidstrasse angezeigt werden aufgenommen am Montag, 7
© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER

Eine zweite wichtige Veränderung an den Finanzmärkten ist die in den letzten Jahren stark gewachsene Bedeutung der institutionellen Anleger. Zu Beginn der Statistik Ende 1998 besassen diese 45 Prozent der bei Schweizer Banken in der Schweiz deponierten Vermögenswerte. Heute sind es über 75 Prozent. Soweit es sich um börsengängige Anlagefonds (ETF) handelt, wechseln solche Fonds bei einem Verkauf lediglich die Hand. Kommt es aber zu Zertifikatsrückgaben an die Fondsverwaltung, dann sind diese praktisch gezwungen, einen Teil der in den Fonds enthaltenen Wertschriften, eben auch Aktien, abzustossen, denn sie müssen für ausreichend Barmittel sorgen, um die Einreicher von Zertifikaten auszuzahlen. Sie können deshalb kaum taktieren und werden in einer ersten Phase die liquidesten Titel verkaufen.

Auch dieses Mal haben die Blue Chips mit 18 Prozent seit dem Höchstkurs deswegen weit stärker verloren als die Mittelgrossen (−16 Prozent) oder die Kleinkapitalisierten (−10 Prozent). Viele institutionelle Anleger haben aus früheren Crashs gelernt, dass der Verkauf von Grosspositionen an Nebenwerten in Stresssituationen nur zu enormen Abschlägen möglich sind. Deshalb werden diese durchgehalten.

Die US-Schutzzölle treffen Europa in einem Moment, wo die Konjunktur ohnehin schwächelte und ein enormer staatlicher Schuldenschub für die Aufrüstung und die Reparatur der Infrastruktur bevorsteht. Die Langfristzinsen sind zwar seit dem jüngsten Anstieg wieder abgeflacht, aber wenn es in den USA tatsächlich zu einem Inflationsschub kommt, weil die Schutzzölle die Importe um theoretisch 600 Milliarden US-Dollar verteuern, dann sind weitere Leitzinssenkungen in den USA fraglich. Die Schweiz wird zudem von den erneut schwächeren Leitwährungen getroffen. Nicht nur der US-Dollar, sondern auch der Euro liegt wieder unter dem Jahresendstand 2024. Der US-Dollar hat seit Jahresbeginn 5,8 Prozent, der Euro 0,6 Prozent eingebüsst.

Es ist nicht der erste Crash, den wir erleben. Persönlich hat mich der 19. Oktober 1987 am stärksten erschüttert. Ich war damals auf Kundenbesuch in Mailand, wo Panik herrschte. In Zürich und in Frankfurt, sogar in London das gleiche Bild: Verzweiflung und Ratslosigkeit. Einzig in Edinburgh herrschte Besonnenheit. Edinburgh war damals einer der wenigen Finanzplätze ohne physische Börse, weshalb die dortigen Vermögensverwalter nicht von der Hysterie der Börsenhändler angesteckt wurden. Die Schotten betrachteten die damals undifferenzierten Massenverkäufe als einmalige Chance dafür, Neuanlagen zu tätigen, aber vor allem auch dafür, Umschichtungen in den Portefeuilles vorzunehmen. Die Portfolio-Manager klagten zwar über viel Arbeit, weil sie die Verwerfungen der Bewertungen auswerten mussten, aber sie hatten recht.

Es lohnt sich, die Angemessenheit der unterschiedlichen Kurskorrekturen zu analysieren. Die Verlustspanne der SMI-Titel seit Ende 2024 bis heute schwankt zwischen −1,3 Prozent (Swisscom) bis −23,7 Prozent (Logitech). Ebenso gilt es die Gründe für die Verkaufspanik zu überdenken. So rasch, wie Schutzzölle eingeführt werden, können sie auch wieder verschwinden. Laut Medienberichten sollen fünfzig Länder Schlage stehen, um mit den USA zu verhandeln. Sollte das Endziel der USA eine weltweite Ausdehnung des Freihandels ohne Zölle sein, dann wären selbst ein paar Monate Schmerz und Pein ein tragbarer Preis dafür. Aber garantiert ist diese Vermutung keinesfalls.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.