In der Sitzung der Corona-Enquete-Kommission des Bundestags am 1. Dezember 2025 kam es zu einem Schlagabtausch zwischen dem Virologen Christian Drosten und dem Ökonomen Stefan Homburg. Drosten weigerte sich, Fragen Homburgs zu beantworten, und warf diesem «persönliche Unterstellungen» vor. Die Szene sorgt nun parteiübergreifend für Aufmerksamkeit.
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Im Zentrum der Sitzung stand das Thema «Vorsorge, Krisenpläne und Frühwarnsysteme». Drosten, der während der Pandemie als Berater der Bundesregierung fungierte, verteidigte in seinem Eingangsstatement das damalige Krisenmanagement. «Es gibt keine deutsche Pandemie», betonte er und wandte sich gegen die Vorstellung, Deutschland hätte strukturelle Fehler gemacht, die anderen Ländern nicht unterlaufen seien. Die Pandemie sei global gewesen, die Bedrohung habe in ihrer Dynamik gelegen, nicht in vergleichenden Einzelzahlen.
In der ersten Fragerunde konfrontierte Homburg Drosten mit alten Zitaten, etwa zur Lage in Schweden und Drostens drastischer Warnung vor apokalyptischen Szenarien in Afrika. Homburg stellte die Frage, ob Drosten seine Prognosen von damals angesichts der niedrigen Übersterblichkeit in Schweden aufrechterhalte. Drosten entgegnete: «Ja, selbstverständlich» und verwies auf internationale Vergleiche.
Für eine Fragerunde – bestehend aus Frage und Antwort – waren jeweils maximal fünf Minuten vorgesehen. Als Homburg seine Frage zum zweiten Mal stellte, war die Zeit nahezu abgelaufen. Drosten lehnte eine weitere Antwort aus Zeitgründen ab. Die CDU-Abgeordnete Franziska Hoppermann, die die Sitzung leitete, nahm Drosten in Schutz: «Fragen zu beantworten hat man in einem Untersuchungsausschuss und nicht in einer Enquete-Kommission.» Zudem mahnte sie: Wenn Abgeordnete zwei Minuten für eine Frage benötigten, gebiete es die Höflichkeit, die Experten auch ausreden zu lassen.