Es ist Sonntag, 7. Dezember. Guten Morgen, ganz herzlich willkommen im Adventskalender. Was ist eine Perle? Die Perle ist, kurz gesagt, das Produkt eines Fremdkorps. Wenn ein Sandkorn beispielsweise in eine Muschel hineingelangt, dann beginnt die Muschel diesen Fremdkörper zu isolieren. Sie ummantelt ihn mit einem Gemisch aus Calciumcarbonat, Kristallplättchen und einem organischen Klebestoff und dem sagt man dann Perlmutt. Schicht um Schicht legt die Muschel das Perlmutt über den Fremdkörper, dessen Ummantelung dann über Monate und Jahre hinweg wächst und schliesslich wird daraus eine Perle. Das geschieht manchmal in der Natur, meistens aber künstlich durch menschlichen Eingriff. 95% aller Perlen sind heute Zuchtperlen. Was macht denn die Perle so kostbar? Es ist vor allem der sogenannte Lüster der Glanz. Perfekte Perlen haben einen einzigartigen Lüster, als würde quasi Licht aus dem Innern der Perle herausscheinen. Der Lüster entsteht durch die vielen hauchdünnen Perlmutschichten, die das Licht brechen und dann eben reflektieren. Aber auch die Form zählt. Perfekt runde Perlen sind extrem selten und entsprechend gesucht. Möglichst gross sollten sie natürlich sein und mit möglichst reiner Farbe, vorzugsweise weiss, rose oder golden. Perlen sind nicht nur aus Perlmutt, sie sind auch sprichwörtlich geworden. Im übertragenen Sinn ist die Perle etwas Kleines, Wertvolles, ein Schatz, etwas sehr Persönliches auch, etwas, das dir lieb geworden ist, etwas, das dir ans Herz gewachsen ist. Ihr sollt eure Perlen nicht vor die Säue werfen. Das ist ein geflügeltes Wort. Seit 2000 Jahren übrigens. Es steht schon in der Bibel im Matthäusevangelium. Das sehen wir auch auf diesem faszinierenden Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, gemalt von Pieter Bräuchel, dem Älteren. Der Maler war damals gerade 30 Jahre alt. Eine Sammlung von niederländischen Sprichwörtern und hier findet man eben auch «Wirf deine Perlen nicht vor die Säue». Wobei, wenn man genau hinschaut, dann sind das nicht Perlen, sondern eigentlich Blumen, ist das einfach künstlerische Freiheit. Bräuchel malt hier ein Wortspiel. Margarita heisst gleichzeitig die Perle auf Lateinisch. Und eben auch Margeritenblumen. Und so malt Bräuchel die Blumen, die man auch viel besser sieht als die Perlen. Aber am Sprichwort ändert das nichts. Wirf deine Perlen nicht vor die Säue. Alles andere wäre psychohygienisch ungesund. Es gibt Dinge, die sind dir lieb und teuer. Für die hast du lange gearbeitet. Oder eine innere Überzeugung, für die hast du hart gekämpft. Deine Lebensphilosophie, mit der du das Leben meisterst und erklärst. Oder dein Glauben, aus dem du Kraft schöpfst. Was auch immer es ist, es ist deine Perle. Wirf sie nicht vor die Säue. Und wer ist denn gemeint mit den Säuen, die man hier sieht? Vielleicht jene Menschen, Die das verachten, was du liebst. Die sich über das lustig machen, was dir heilig ist. Die auf dem herumtrampeln, was du schützen möchtest. Du weisst, es gibt solche Menschen. Sie haben dich auch schon verletzt und sie werden dich wieder verletzen, wenn du deine Perlen vor sie wirfst und sie darauf herumtrampeln lässt. Das Sprechwort wäre nicht 2000 Jahre alt, wenn es nicht immer schon so gewesen wäre und wahrscheinlich auch so bleiben wird. Und deshalb ein uralter, ein biblischer Tagestipp. Wirf deine Perlen nicht vor die Säue. Was dir lieb und teuer ist, darf niemand zertrampeln. So viel für heute, liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer. Morgen ein ganz anderes Thema. Morgen haben wir einen Wissenschaftler zu Besuch. Er sitzt übrigens im Kalender links unter den Lauben und liest die Zeitung. Bis dann, alles Gute, einen perlenden Tag und auf Wiedersehen.
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