Mitten im tiefsten Winter des Krieges hat Russland in der Nacht auf Dienstag erneut massive Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew geflogen. Nach Angaben der Stadtverwaltung fielen Strom, Wasser und Heizung in grossen Teilen der Metropole aus. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj sind «mehr als 300 Kampfdrohnen» sowie zahlreiche «ballistische und Marschflugkörper» eingesetzt worden.
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Laut Bürgermeister Vitali Klitschko sind 5635 Wohnblöcke ohne Heizung gewesen – dies bei Temperaturen von bis zu minus 14 Grad Celsius. Der staatliche Energieversorger Ukrenergo meldete Notabschaltungen in mehreren Regionen. Wirtschaftsminister Oleksij Sobolew erklärte am Weltwirtschaftsforum in Davos, dass seit Oktober rund 8,5 Gigawatt an Stromkapazität durch russische Angriffe beschädigt worden seien, darunter auch Wasserkraft- und Wärmekraftwerke. Vieles sei inzwischen wieder aufgebaut – «und wird dann erneut zerstört».
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die ukrainische Luftabwehr habe einen grossen Teil der Angriffe abgefangen, warne jedoch vor kritischen Munitionsengpässen. Immerhin seien «am Vortag endlich die notwendigen Raketen eingetroffen», so Selenskyj. Die Bevölkerung flüchtete in Notunterkünfte, um sich aufzuwärmen und ihre Handys zu laden.
Die Grossoffensive erfolgte kurz nachdem das russische Präsidialamt erklärt hatte, US-Präsident Donald Trump habe Wladimir Putin eingeladen, in seinem sogenannten Friedensrat Platz zu nehmen. Dieser Rat solle unter anderem den Ukraine-Krieg mediieren. Auch Selenskyj habe laut eigenen Angaben eine Einladung erhalten. In einer Textnachricht an die Financial Times schrieb er: «Wir haben die Einladung zum Friedensrat erhalten. Diplomaten arbeiten daran. Um ehrlich zu sein: Russland ist unser Feind. Belarus ist sein Verbündeter. Es ist sehr schwierig für mich, mir vorzustellen, wie wir mit Russland in irgendeinem Rat zusammen sein könnten.»