Nach einem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz patrouillieren weiterhin rund 400 Polizisten im Dauereinsatz an Stromkästen, Kabelbrücken und Umspannwerken. Der Stromausfall hatte Anfang Januar Zehntausende Haushalte im Südwesten der Hauptstadt tagelang lahmgelegt. Die Polizei bewacht nun potenzielle Zielobjekte, um weitere Sabotageakte zu verhindern – ein Einsatz ohne festgelegtes Ende.
MICHAEL KAPPELER / KEYSTONE
Wie die Bild-Zeitung berichtet, sind vier Hundertschaften im Einsatz, davon drei in Steglitz-Zehlendorf, wo der letzte Anschlag erfolgte. Die vierte Einheit schützt überregionale Leitungsinfrastruktur. Zum Teil agieren die Beamten in Zivil.
Bei den Polizeigewerkschaften regt sich massiver Widerstand gegen den ungewöhnlichen Einsatz. «Dass unsere Kollegen jetzt völlig sinnfreien Raumschutz und Objektschutz an Kabelschächten schieben müssen, ist eine Frechheit», sagte der Berliner GdP-Chef Stephan Weh. «Es gibt private Sicherheitsdienste, um die sich die verantwortlichen Firmen kümmern könnten.»
Auch Bodo Pfalzgraf von der Deutschen Polizeigewerkschaft spricht von «politisch motivierter Hyperaktivität» und warnt vor einem Personalengpass im Falle weiterer Krisenlagen. «Man fragt sich, mit welcher Reserve dann noch Grosslagen in Berlin bewältigt werden sollen», so Pfalzgraf. Die Beamten müssten Versäumnisse der Politik ausbaden, die es versäumt habe, kritische Infrastruktur rechtzeitig mit Sensor- und Videotechnik auszustatten.