Martin Pfisters Verteidigungsdepartement (VBS) meint es gut mit der NZZ: Sechzig Printausgaben der Tageszeitung (Kosten 998 Franken jährlich) lässt sich dessen Generalsekretariat täglich von der Falkenstrasse schicken. Dazu kommen fünfzehn NZZ am Sonntag-Abos und weitere Verlagsprodukte (NZZ Folio, NZZ-Geschichte und mehr).
Peter Klaunzer/Keystone
Ganz günstig ist das nicht: Über 340.000 Franken zahlt das VBS der NZZ dafür. Dies geht aus dem Fünfjahresvertrag (2022 bis 2026) zwischen den beiden Parteien hervor, auf den die Weltwoche aufmerksam machte.
Was soll diese kleinkarierte Berichterstattung, mag man sich jetzt fragen. Die NZZ macht schliesslich einen brillanten Job. Zudem herrscht der freie Markt, der gilt doch auch für das VBS. Von Interessenkonflikten kann schon gar nicht die Rede sein. Wirklich?
Die Verflechtungen zwischen dem liberalen Verlagshaus und dem Staat gehen jedenfalls noch deutlich weiter: Seit Ende 2025 bietet die Academy der NZZ gemeinsam mit dem Schweizer Militär den Kurs «Crisis Leadership Training» an (die Weltwoche berichtete).
Experten der NZZ und Ausbildner des Kommandos Führungs- und Kommunikationsausbildung (KFK) unterrichten dabei Hand in Hand zu Themen wie Cyberangriffe und Stromausfälle. Die Kosten pro Teilnehmer betragen rund 3000 Franken (für zwei Tage!).
Bei der NZZ ist man auf die Kurse, die sowohl für Pfisters Beamte wie auch für den Verlag lukrativ sein dürften, mächtig stolz. Dem Wehrdepartement ist es ausdrücklich erlaubt, mit dem Logo der NZZ Academy Werbung für die Seminare zu machen und die Kooperation mit dem Verlag zu erwähnen. Anders ausgedrückt: Pfisters Behörde fürchtet sich nicht vor der Zeitung, stattdessen benutzt man sie für PR.
In der NZZ Academy sitzen neben Journalisten des Zürcher Verlagshauses auch hohe Militärs. Darunter Niklaus Jäger, Kommandant der Führungs- und Kommunikationsausbildung der Schweizer Armee; Ex-Armeechef Thomas Süssli gehörte phasenweise dem Beirat an.
Gerne rümpft man bei der NZZ die Nase über linke, etatistische Tendenzen, so das kolportierte Bild. Die Zeitung gilt schliesslich als liberales, als staatskritisches Sturmgeschütz. Beisshemmungen gegenüber dem Berner Machtapparat? Gibt es nicht an der Falkenstrasse, so das Credo.
Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus. Die finanziellen Abhängigkeiten der NZZ zum Staat sind offenbar ausgeprägter als bisher angenommen.