Deutschland plant eine Grossinvestition in KI-gesteuerte Kampfdrohnen – trotz durchwachsener Erfahrungen mit dem System im Ukrainekrieg. Das Verteidigungsministerium will laut einem Bericht von Politico insgesamt 267,7 Millionen Euro in das Drohnensystem HX-2 des Münchner Startups Helsing investieren. Eine Auswertung von Einsatzdaten aus der Ukraine zeigt jedoch: Nur in rund einem Drittel der dokumentierten Einsätze erreichte die Drohne ihr Ziel.
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Von 14 Missionen seien lediglich fünf erfolgreich gewesen. Die Ursachen lagen laut internen Informationen des Verteidigungsministeriums weniger in russischen Abwehrmassnahmen, sondern in technischen Mängeln: instabile Videodatenübertragung, begrenzte Zielerfassung und unflexible Sensorsysteme.
Helsing verteidigt sein Produkt. Die schlechte Trefferquote in der Ukraine sei statistisch nicht belastbar, da nur wenige Geräte im Einsatz gewesen seien. In Tests in Deutschland, Grossbritannien und Kenia habe der HX-2 nahezu perfekte Werte erzielt, sagt ein Sprecher des Unternehmens zu Politico.
Ob die Drohnen, die Deutschland beschaffen will, technisch identisch mit den getesteten Modellen sind, ist unklar. Das sorgt für Unsicherheit. Bereits in der Vergangenheit hatte die Bundeswehr Milliarden in neue Systeme gesteckt, die später nicht einsatzbereit waren: Transporthubschrauber blieben am Boden, Eurofighter mussten wegen fehlender Ersatzteile gegroundet werden, und Funkgeräte funktionierten oft nicht zuverlässig.
Nach Informationen von Bloomberg will die Bundesregierung künftig auch das Start-up Stark Defence in die Drohnenbeschaffung einbinden, um sich nicht einseitig von einem Anbieter abhängig zu machen. Der aktuell vorliegende Vertrag betrifft jedoch ausschliesslich Helsing. Bevor dieser zustande kommt, muss der Bundestag zustimmen. Bei Rüstungsaufträgen über 25 Millionen Euro ist das gesetzlich vorgeschrieben. Eine Entscheidung wird bis Ende Februar erwartet.