2006 zählte Ecoplan noch sechzehn Mitarbeiter. Heute sind es rund fünfzig. Das Unternehmen, das zu den Platzhirschen im Schweizer Beratergeschäft gehört, ergattert Jahr für Jahr Aufträge am Laufmeter aus der Bundesverwaltung. Die Brüssel-Anbindungspropaganda der Landesregierung stützt sich regelmässig auf Berechnungen von Ecoplan.
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Recherchen der Weltwoche zeigen: Berner Ämter zahlten dem Büro 2024 für Berater- und weitere Dienstleistungen rund drei Millionen Franken. Dies geht aus den neuesten Zahlen des Beschaffungscontrolling des Bundes hervor.
Satte 24 Aufträge erhielt Ecoplan im vergangenen Jahr – oftmals wurden sie freihändig vergeben. Zum Vergleich: 2023 bekam das Beraterunternehmen noch 16 Aufträge im Wert von etwa zwei Millionen Franken.
Dass Bundesbern Ecoplan vertraut, hat einen einfachen Grund: Die Beraterfirma schreibt der Regierung stets nach dem Munde. Drei Gutachten in Sachen EU-Verträge hat das Unternehmen verfasst, deren Ergebnisse sprechen für sich.
In der Teilübernahme der Unionsbürgerrichtlinie, die EU-Bürgern die Zuwanderung und den Familiennachzug erleichtert, sieht Ecoplan «volkswirtschaftliche Vorteile». Das Stromabkommen, das sowohl von links wie rechts bekämpft wird, erachtet Ecoplan als «positiv». Und ohne EU-Abkommen, das wissen die Propheten von Ecoplan auch, drohen der Schweiz bis 2045 Wohlstandsverluste von 520 Milliarden Franken (2500 Franken pro Kopf).
In Auftrag gegeben wurden die Studien vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), vom Bundesamt für Energie sowie vom Staatssekretariat für Migration (SEM).
Mit dystopischen Szenarien im Sinne der Herrschenden lässt sich gutes Geld machen. Allein die schönfärberischen Analysen zu den EU-Verträgen haben dem Steuerzahler rund 290.000 Franken gekostet. Wie glaubwürdig diese sind, steht auf einem anderen Blatt Papier.
Ökonom Reiner Eichenberger kritisiert, dass die Negativeffekte bei einem Nein zu den EU-Verträgen in der Ecoplan-Studie um rund zwei Drittel zu hoch angesetzt worden seien. Kurzum: Es bestehen zumindest Zweifel, ob die Einschätzungen von Ecoplan dereinst auch zutreffen werden.
Für das Beraterbüro selbst geht die Rechnung jedenfalls auf: Der Speckgürtel, der sich in Bern gebildet hat, lässt Ecoplan gut leben. Die Bürger jedoch, die mit ihrem hart erarbeiteten Geld dessen zweifelhafte Analysen finanzieren, haben das Nachsehen.
Anmerkung der Redaktion: Ecoplan hat 1988 nicht prognostiziert, dass die Neue Eisenbahn-Alpentransversale rentabel betrieben werden kann. Dies stand fälschlicherweise in der ursprünglichen Version des Artikels. Die entsprechende Studie wurde damals vom Beraterbüro Infras verfasst.