Was verdient Annalena Baerbock wirklich?
Eigentlich ist diese Frage in Tagen, in denen im Bundeshaushalt unbegrenzt viele Milliarden für Rüstung ausgegeben werden dürfen, Nebensache. Aber Baerbock eignet sich hervorragend für eine Neiddebatte: Als grüne Aussenministerin wusste niemand ihren Beitrag zum Gelingen der Bundesregierung wirklich einzuschätzen, dafür waren aber ihre Kosten ziemlich transparent.
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Auf rund 25.000 Euro belief sich ihr Monatsgehalt, inklusive einiger Zulagen, was noch okay gewesen wäre, wenn nicht noch ständig diese Schminkkosten hinzugekommen wären: 136.500 Euro waren es nach Angaben ihres Ministeriums allein im Jahr 2022. «Ansonsten sieht man aus wie ein Totengräber, weil man total grau ist», hatte Baerbock dazu erklärt, was das Verständnis dafür aber auch nicht förderte.
Jetzt nach dem Ende der Ampelregierung ist Baerbock weitergezogen und bekleidet ab September für ein Jahr den bislang in Deutschland weitgehend unbekannten Posten der Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Ihr Vorgänger Philémon Yang kommt aus Kamerun, davor gab es jemanden aus Trinidad und Tobago.
Der Präsident führt den Vorsitz bei Sitzungen. In den knapp hundert Uno-Sitzungen seit Gründung 1946 sind keine einschlägigen Initiativen von den jeweiligen Präsidenten überliefert. Dafür kennt man aber das Gehalt, es beträgt rund 13.000 Euro und wird vom jeweiligen Land, das den Präsidenten stellt, bezahlt. Also verdient Baerbock nur noch die Hälfte und weniger als ein einfacher Bundestagsabgeordneter, der auf 16.500 Euro pro Monat kommt?
Nicht ganz.
Ihr stehen Wohnungs- und Umzugskosten zu. Und da New York ein teures Pflaster ist und die künftige Präsidentin auch nicht allein, sondern mit ihren beiden Töchtern nach dorthin zieht, schlagen die zu Buche: Eine Vierzimmerwohnung ist laut Maklerportal UK Immobilien im Zentrum von New York nicht unter 5400 Euro zu haben. Gehen die Töchter zur Schule, hat die Familie Anrecht auf Schulgeld, was laut Tabelle der weltweiten Education Data Initiative durchschnittlich knapp 13.000 Euro pro Kopf beträgt und in New York eher höher ausfallen dürfte.
Zusätzlich steht ihr ein Budget zur Verfügung, das die Kosten und Spesen ihrer Büros deckt, wie etwa für Reisen, Personal oder Veranstaltungen. Immerhin: Es wird nicht nur vom deutschen Steuerzahler, sondern auch von der Uno bezahlt.
Baerbocks Posten ist also ein Jahr lang recht teuer. Zudem weiss keiner, ob ihre Visagistin noch auf Staatskosten an Bord ist.
Klar ist aber auch: In dem Etat des Auswärtigen Amts fällt der Posten nicht weiter auf. Was dort passiert, hat der Bundesrechnungshof bereits in früheren Berichten so beschrieben: Es gehe dort teilweise «haushaltswidrig» zu. Zum Beispiel unterlagen «Ankauf und Ausstattung von Residenzen teils subjektiver Einflussnahme des Leitungspersonals». Nur so seien die Kosten für Betrieb, Instandhaltung und Ausstattung, die allein im Jahr 2022 rund 150 Millionen Euro betrugen, zu erklären.