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Netto-null als Investitionsfahrplan statt Klimaziel

Viele Unternehmen nutzen Erdgas. Es ist zuverlässig, flexibel und günstig. Aber genau diese Selbstverständlichkeit macht Erdgas heute zum Prüfstein der Energiewende.
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Erdgas ist nicht verschwunden. In Europa entfällt rund ein Drittel des industriellen Endenergieverbrauchs weiterhin auf Gas, vor allem für Prozesswärme, Trocknung, Dampferzeugung und Gebäudewärme. Auch in der Schweiz ist Erdgas mit einem Anteil von 12 Prozent am gesamten Energieverbrauch kein Randphänomen, sondern integraler Bestandteil vieler Geschäftsmodelle. Wer über netto null spricht, kommt an Erdgas nicht vorbei.

Transparenzlogik: langfristige Loslösung von Erdgas.

Dabei geht es weniger um Moral als um Planung. Mit der neuen Nachhaltigkeitsberichterstattung wird diese Planung erstmals verbindlich. Die Kriterien sind klar: Berichten müssen auch Schweizer Unternehmen, wenn sie mehr als 450 Millionen Euro Umsatz in der EU erzielen und dort eine Tochtergesellschaft oder Zweigniederlassung mit über 200 Millionen Euro Umsatz betreiben. Für diese Unternehmen wird die Frage nach Erdgasnutzung und Ausstiegspfaden nicht mehr optional, sondern berichtspflichtig.

Kurzfristig bleibt Erdgas Teil des Systems – trotz seiner schlechten CO2-Bilanz. Für Unternehmen unterhalb dieser Schwellen gibt es einen freiwilligen, vereinfachten CSRD-Standard. Gleichzeitig dürfen CSRD-pflichtige EU-Unternehmen von ihren nichtpflichtigen Lieferanten nicht mehr Informationen verlangen, als dieser freiwillige Standard vorsieht. Die Regulierung setzt damit bewusst eine Grenze – und schafft Planungssicherheit entlang den Lieferketten.

 

Bedingung für Fördergelder

Ergänzt wird diese Transparenzlogik durch die Netto-null-Fahrpläne des Bundesamts für Energie. Sie sind nicht nur ein strategisches Instrument, sondern zunehmend auch Bedingung für den Zugang zu Fördermitteln. Wer investieren will – etwa in Elektrifizierung, Effizienz oder erneuerbare Prozesswärme –, muss darlegen können, wie diese Investitionen in einen langfristigen Netto-null-Pfad eingebettet sind.

Die Logik ist einfach: Kurzfristig bleibt Erdgas Teil des Systems – trotz seiner schlechten CO2-Bilanz. Effizienzsteigerungen, Prozessoptimierungen und die Reduktion von Verlusten stehen im Vordergrund. Gleichzeitig müssen die Voraussetzungen für den Umbau geschaffen werden: elektrische Infrastruktur, Netzanschlüsse, Platz für neue Anlagen.

Mittelfristig beginnt die schrittweise Elektrifizierung. Hochtemperatur-Wärmepumpen, Elektroboiler oder elektrische Prozesswärme ersetzen Gas dort, wo es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Erdgas verschwindet nicht abrupt, verliert aber an Bedeutung. Langfristig – bis 2050 – bleibt Gas höchstens noch für klar begründete Restanwendungen im Einsatz.

 

Notwendige Investitionen

Der Transitionspfad ist nicht nur regulatorisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich attraktiv – und bringt handfeste Vorteile: geringere Abhängigkeit von volatilen Importen, planbarere Kosten und neue betriebliche Möglichkeiten – von Abwärmenutzung bis zur Kombination mit eigener Stromproduktion.

Beispiele aus der Schweiz zeigen, wie dies funktioniert: So hat ein mittelständisches Chemieunternehmen seine Gasdampfkessel elektrifiziert und verzichtet inzwischen komplett auf Gas. Damit sinken die Energiekosten und die Abhängigkeit von volatilen Gasimporten. Die Elektrifizierung verbessert zudem die Steuerung und verringert die Wartungskosten. Und eine Grossbäckerei konnte durch den Ersatz von Gasöfen mit Elektroöfen die Qualitätskontrolle verbessern. Solche Investitionen werden immer mehr zur Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit.

Netto-null wird so vom abstrakten Klimaziel zum konkreten Modernisierungsprogramm. Die neuen Regeln verlangen keine Perfektion, aber Klarheit. Wer jetzt investiert, gewinnt Handlungsspielraum.

 

Bastien Girod ist Partner bei Deloitte Schweiz.

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